Also, zunächst möchte ich mal klarstellen, dass meine Eltern völlig unschuldig
waren, als ich mit der Nutzung ihrer zu jeweils 50 % auf mich übertragenen
Gene begann. Sie hatten auch nicht vorgehabt, mich zu einen Marxisten zu
erziehen. Mein Vater war Soldat in Norwegen, anschließend in Gefangenschaft
und war gerade noch rechtzeitig zurück, um mich zu zeugen. Zwei, sehr
frühzeitig verstorbene Schwestern von mir, wurden vor dem Krieg geboren, ein
älterer ( jetzt noch lebender ) Bruder von mir verdankt sein Leben einem
Fronturlaub meines Vaters. Ein weiterer, 1953 geborener Bruder starb nach der
Wende eines unnatürlichen Todes.
Meine Mutter war eine sehr, sehr liebenswürdige, fleißige und auf totalem
Verzicht eigener Lebenswohlstandsansprüche eingestellte Frau. Ich sagte mir
immer, wären alle Menschen so wie sie, hätten wir zwar keinen
wissenschaftlich-technischen Fortschritt erlebt, aber wir würden schon längst
wieder im Garten Eden leben.
Mein Vater war bis zum Vereinigungsparteitag bei der SPD und dann.
logisch..... SED.
Meine Mutter war streng evangelisch erzogen, konnte sich damit aber in unser
männerdominierten Familie nicht durchsetzen. Anfang der 50 er Jahre kauften
meine Eltern auf Darlehensbasis ein kleines Bauerngehöft, da sich der
Vorbesitzer das Leben genommen hatte. Das Betreiben von Land – u.
Viehwirtschaft hatte jedoch mehr Hobbycharakter, da mein Vater als Maurer
arbeitete. Das war sehr hart für unsere Eltern, aber wir gehörten dadurch zu den
Menschen, die in den Nachkriegsjahren keine Nahrungsprobleme hatten.
Ich besuchte 8 Jahre die Grundschule im Wohnort und anschließend zwei
weitere Jahre die POS. Nach Abschluss nahm ich eine Lehre als Dreher auf, die
ich auch erfolgreich beendete.
Ich denke heute sehr oft über meine damalige Lernbereitschaft nach und ärgere
mich und frage mich: warum war ich nur so lernfaul?. Alle Lehrer bescheinigten mir immer wieder in den untersten Klassenstufen einen hohen
Intelligenzgrad. Später nicht mehr, sie hatten es wohl satt mit mir. Was damals
im Ort die Lehrer erstaunte war, dass ich bereits als Schüler der 1. Klasse die
Tageszeitungen lesen konnte. Das muss sie so beeindruckt haben, dass ich des
öfteren, morgens, zum Fahnenappell, aus der Presse vorlesen musste Auch bei
kirchlichen oder weltlichen Theaterstücken erhielt ich stets die Hauptrolle.
Hätte sich meine Mutter durchgesetzt, wäre ich vielleicht Pfarrer geworden.
( Aber ich glaube, das hätte die Weltgeschichte auch nicht wesentlich
beeinflusst).
Seit ewigen Zeiten befassen sich Philosophen, Psychoanalytiker,
Geisteswissenschaftler, Theologen u.a. damit, herauszubekommen, warum
verläuft der Weg eines Menschen so und nicht anders?. Habe ich überhaupt
einen freien Willen, kann ich selbst entscheiden was ich tu?. Letzteres ja, aber
bevor ich was tu, muss ich es ja wollen Und da liegt der Knackpunkt. Der Wille
ist Ursache, was ich dann tu, ist die Umsetzung und Realisierung des Willens.
Der Wille ist sozusagen so was wie „formgebende Verursachung“. Also z.B. ein
Architekt. Vor seinem geistigen Auge sieht er das Haus, was ein Kunde haben
möchte und entwickelt es dann am PC. Vom dortigen Entwurf bis zur
Realisierung ist es dann nicht mehr weit
Die Willensbildung des Kunden, ein Haus haben zu wollen, hat also zur
Willensbildung des Architekten geführt, der wiederum diesen Willen (oder
Idee), sozusagen in die materielle Welt gebracht hat: Da wir aber der Meinung
sind, einen freien Willen zu haben, könnte das zum Schluss führen, die Beiden
hätten soviel Freiheit zu sagen, ach nein, wir wollen das doch nicht. Na klar
geht das, aber nur bei den Beiden, denn ist es nicht so, dass es sehr viele Häuser
auf dieser Welt gibt? Hat uns jemand gezwungen diese Häuser zu bauen?.
Natürlich nicht. Spürt irgendjemand einen Zwang, die Gattung Mensch
aussterben zu lassen?. Also ich nicht, etwa ein anderer? In Deutschland gehen
die Geburten ständig nach unten, aber im Weltmaßstab steigt die
Bevölkerungszahl. Der Einzelne hat den freien Willen zu sagen, ich trage nicht
zu Fortpflanzung bei, aber die gesamte Menschheit? Der Einzelne kann sagen:
mein freier Wille sagt mir; ich will kein Haus, kein Auto, keine Fortpflanzung
usw., aber die Menschheit, als ein geschlossenes „System“ wird niemals nein
sagen können. Das geht nicht. Also hat die Menschheit als Einheit gesehen,
niemals einen freien Willen. Aber wer oder was zwingt denn nun die
Menschheit dazu, das zu tun, was ein Einzelner u.U. nicht will?
Sind es angeborene Instinkte? Für die Fortpflanzung vielleicht. Vielleicht
deshalb, weil meiner Meinung nach, mehr der sexuelle Trieb des Menschen, als
der Fortpflanzungswunsch bestimmend ist. Die Nachkommen also mehr oder
weniger als Folge eines „Verkehrsunfalls“ zu sehen sind. Denn mir kann keiner erzählen, dass die sehr kinderreichen Familien asiatischer, arabischer oder
afrikanischer Völker, alle so gewollt sind . Mir kann keiner einreden, dass diese
Menschen so handeln, weil sie eine von der Evolution aufgezwungene
Artensicherung betreiben müssen, um den Fortbestand der Menschheit zu
sichern. Denn, wie gesagt, der Einzelne kann nein zur Fortpflanzung sagen
(also Freier Wille), die Menschheit insgesamt – geht nicht.
Man muss hier noch tiefer gehen, will man das klären ( wenn es sich überhaupt
klären lässt)
Wer oder Was sorgt also dafür, dass sich der Mensch unbewusst, also
unfreiwillig, fortpflanzt. Na klar - die Gene. Der vererbte Trieb sozusagen,
sorgt dafür. Der Druck der Evolution sozusagen. Klar- aber was sind Gene denn
überhaupt? Also, Rasterelektronenmikroskope aufgeklappt, Licht an, jetzt
geht’s los. Es werden die kleinsten Details unseres genetischen Materials
sichtbar, aber nur bis zum Molekül. Denn ein Atom als ganzes, kann man nur
noch als verschwommenen Punkt erkennen. Und zum Atom gehört ja der Kern
und seine Elektronen. Der nachfolgend bekannte Größenvergleich macht
deutlich, dass wir niemals werden mehr „sehen“ können:
Ein Zuschauer im Fußballstadion sitzt ganz oben auf den Rängen als Elektron
und am Anstoßpunkt hockt der Atomkern in Form eines Samenkornes. Klasse
Vergleich. Zwischendrin gibt es angeblich nichts. (Was ich nicht glaube) Aber
wer bin schon ich.
Aber jetzt kommt’s, wir haben jetzt das Leben verlassen und sind mit Hilfe der
Technik im Bereich der anorganischen Chemie u. Physik angekommen. Das
Zusammenspiel dieser kleinsten Teilchen bestimmt, ob wir leben oder nicht, ob
wir uns fortpflanzen oder nicht, ob wir einen freien Willen haben oder nicht. Sie
bestimmen unsere Gefühle usw. Das Zusammenwirken von Elementarteilchen,
Suberstrings oder was es sonst noch für Namen gibt, soll auf Basis des
Vorhandenseins von Kernkräften und deren Wechselwirkungen, sozusagen die
Ursache und Motoren für alle materiellen Erscheinungsformen im Universum
sein. Das ist bestimmt auch so, aber was ist die Ursache dieses
Zusammenwirkens von toter Materie, die sich mittels Eigendynamik in
organische Substanzen umwandelt.
Sind denn in den Elementarteilchen, Strings o. a. Teilchen des kosmischen
Chaos, Informationen gespeichert, die sozusagen zwangsläufig organische
Strukturen erzeugen müssen?
Also zufällig kann dies niemals geschehen.
An dieser Stelle sei mir mal eine Selbsteinschätzung gestattet. Sollten sich
evtl. doch einmal die SU von heute auf meine Seite verirren, höre ich sie
fast murmelnd sagen: „Was erlaubt sich denn dieses Stasischwein , er soll
gefälligst schweigen und sich lieber mit seiner Vergangenheit befassen“.
Für diese Menschen habe ich eine frohe Botschaft: „Ich bin euch dankbar
für die friedliche Revolution, denn dadurch kann ich auch meine
Gedanken äußern und ich habe viel gelernt, die Grundlagen dafür hatte
ich allerdings schon lange vor der Wende gelegt, allerdings „streng
geheim“ musste das sein“. Und, „ wer weiß, Autisten sollen doch einen Riss
im Gehirn haben, vielleicht trifft das für mich zu und könnte als
Entschuldigung gelten?“
So, jetzt habe ich mich erleichtert und kann weiter phantasieren.
Die ernsten Wissenschaften sagen ja, wir sind aus Sternenstaub entstanden, also
all die gesamten organischen Erscheinungsformen, die wir wahrnehmen, haben
ihren Ursprung in den ständig, im Universum stattfindenden Explosionen
kosmischer Materie. Und da des öfteren solche Ereignisse beobachtet wurden,
geht man selbstverständlich davon aus, das dies auch überall im Universum
geschieht, egal ob wir als Menschen dies sehen oder nicht Also das Rohmaterial
für Leben ist überall vorhanden, auf dem Mond genauso wie; Mars, Sonne usw.
So, und jetzt kommt der alles entscheidende und wichtigste Punkt der
gesamten Problematik:
Alle Ausgangsmaterialien für die Entstehung organischer Substanzen sind
vorhanden und können unter bestimmten physikalischen Bedingungen
Moleküle bilden, die sich dann ihrerseits zu lebensnotwendigen
Grundformen weiterentwickeln.
So, und an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Hier beginnen die
Erklärungsmodelle für den Beginn des Lebens aller Religionen und aller
Wissenschaftszweige die wir kennen.
Ich glaube ( aber was heißt das schon, aber ich darf doch wohl meine Meinung
äußern?), am weitesten vorgedrungen auf diesem Gebiet sind die Schöpfer der
uralten vedischen Lehren, alle religiöse Glaubensrichtungen und die alten
griechischen Philosophen.
Auf dem Weg der Erkenntnis lieferten natürlich alle Wissenschaftszweige sehr
wertvolle Ergebnisse. Aber es werden dabei auch Grenzen sichtbar, die sie
niemals überschreiten können.
Die Darwinisten sagen, das Leben ist zufällig entstanden und als Folge dieser
Zufälligkeit entwickelten sich evolutionäre Prozesse, die dann
Gesetzmäßigkeiten annahmen. Also, wären die Anfangsbedingungen ein klein
wenig anders gewesen, hätte sich niemals Leben entwickeln können.
Die Antidarwinisten entwickelten Wahrscheinlichkeitsberechnungen, nach
denen die gesamte Dauer des Kosmos vom Anfang bis zum Ende nicht
ausreicht, um Leben zufällig entstehen zu lassen. Andere sagen, der
Lebenszufall ist weit mehr unwahrscheinlicher, als es Atome im All gibt. Aber
sie wagen es nicht, zu sagen, es ist unendlich, also unmöglich. Denn alle
Wahrscheinlichkeitsberechnungen lassen es ja durchaus zu, dass es ja auch am
Beginn passieren kann und dann z.B. eine Trillion Jahre nicht mehr. Also ist
dieses Erklärungsmodell auch untauglich.
Ja, aber trotzdem leben wir und alle anderen organische Strukturen in
Fauna und Flora auch.
Die Antidarwinisten sind jetzt dabei, ein Modell „ Intelligent Design „ der Welt
vorzustellen.
Das ist ein neuer Ansatz und mit Sicherheit interessant. Aber z.Z. liegen sie im
Streit mit der Schulwissenschaft, wo sich beide einen erbitterten Kampf um die
besseren Argumente liefern.
Aber was hat das ganze mit mir zu tun.
Ausgangspunkt war, warum habe ich mich gerade so entwickelt, wie ich mich bis zur Gegenwart entwickelt habe. Das hat natürlich was mit freiem Willen zu tun. Ich hätte ja damals nach Abschluss meiner Berufsausbildung in meinem Beruf weiter arbeiten können, wie es auch all die Anderen taten. Aber nein, ich ließ mich von meinen Wohngebietsnachbarn dahingehend beackern, dass ich mich für einen 3-jährigen Dienst für das Wachregiment des MfS Berlin entschied .Ich schreibe es gleich an dieser Stelle - nein, ich war zu dieser Zeit kein überzeugtes Kommunistenschwein. Ich hatte mich damals überreden lassen und bereute diesen Schritt in den ersten Wochen meines Dienstes in Adlershof wahnsinnig. Jeder Tag dort tat weh. Aus heutiger Sicht sind drei Jahre gar nichts, sie vergehen bekanntermaßen für ältere und alte Menschen gefühlt sehr viel schneller. Aber damals dauerte es eine Ewigkeit bis erst mal ein Jahr weg war, dann die restlichen 2 Jahre noch. Jedes mal wenn ich nach einen Kurzurlaub wieder am nächsten Tag im Kasernenbett aufwachte, wollte ich das das nicht wahr ist. Ich möchte jetzt nicht über Abläufe im Wachregiment schreiben, das ist bestimmt nicht interessant.
Aber die Frage steht: warum hat mich mein Freier Wille nicht anders entscheiden lassen. Die Klugscheißer von heute ( also die ehemaligen RT aus der Wendezeit) wissen es natürlich schon längst: Na, weil ich ein Kommunistenschwein war und bin. Ist doch fällig klar. Und alles was der Stasiverbrecher sagt oder schreibt ist erstunken und erlogen. Aber den Mädels und Jungs von der Zunft der scheinheiligen Menschenfreundlichkeitsparteien sei es gesagt: So einfach ist das nicht. Es ist genauso lächerlich, wie die Vorhaben, Abgeordnete aus ihrer Wahlfunktion zu vertreiben, weil diese vor 25 Jahren im Wachregiment waren, huiii, das waren aber auch Verbrecher, solche wie ich, die sich die Beine in den Arsch gestanden haben. 3 Jahre lang. Ok, mag sein, für die falschen Häuser u. falschen Ärsche.
Zurück zum Freien Willen.
Wer oder was hat mich dazu gebracht meinen Willen so zu formen, damit ich das machte, was ich gemacht habe. Ich war doch nicht etwa schon von Geburt an, ein Kommunistenschwein, oder?, wenn ja, dann bin ich schuldig, genau wie Adolf Hitler.
Es ist richtig gruselig, wenn man den Namen A.Hitler schreibt, fühlt man sich
gleich unwohl. Man bekommt fast Verschwörungsgefühle. Die Klugscheißer
von heute mögen mir verzeihn, aber ich bin mir fast sicher, das auch Hitler im
Alter von 20 Jahren noch kein Kriegsverbrecher war. Aber warum ist er das
denn später geworden. Das wissen natürlich die Klugscheißer von heute nicht,
aber sie sind auch keinesfalls dazu in der Lage sich dafür zu interessieren, weil
sie sich niemals auch nur im Ansatz mit den jeweiligen Persönlichkeiten
auseinandersetzen können und wollen.Wie auch mit uns nicht. Die
Geschichtsschreibung ist immer und zu allen Zeiten subjektiv gefärbt.
Also, mein Freier Wille wurde eindeutig von Anderen Personen und
Ereignissen geprägt und beeinflusst, es ist das Zusammenspiel aller Ereignisse,
die von der jeweiligen Person ( also z. B. wie ich) durch dessen Sinne
aufgenommen werden und dann im Schädel zur Willensbildung führen. Aber
der dann auf dieser Basis nachfolgende Wille ist dann somit das Ergebnis, bzw.
die Folge aller vorausgegangenen Wirkungen. Nicht nur bei mir oder Adolf
Hitler, sondern bei allen Menschen , auch bei den Klugscheißern und SU von
heute. Also war es so nach meiner 3 jährigen Dienstzeit im WR des MfS, dass
ich im März 1969 nach Hause entlassen wurde und wieder als Dreher anfing zu
arbeiten. Ich sags gleich, ich hatte dazu keine Lust,ich war auch kein guter
Facharbeiter und so dachte ich, Mensch frag doch mal bei der Polizei nach, ob
sie dich evtl. bei der Kripo nehmen würden. Ich fuhr also in die Kreisstadt zum
dortigen VPKA (Volkspolizeikreisamt) und erklärte bei der Anmeldung mein
Anliegen. So schnell konnte ich gar nicht gucken, geleitete man mich auch
schon zum Kaderchef des VPKA, der mich dann auch sofort einen K-Mitarbeiter vorstellte. Als ich dann berichtete, das ich im WR 3 Jahre gedient hatte, zeigte sie sich erfreut und erklärten mir dann den Entwicklungsweg und die Laufbahn eines künftigen Kripobeamten. Ich erhielt eine Menge Formulare zum Ausfüllen und wurde dann mit der Hoffnung verabschiedet, mich bald zum Abgabeterm wiederzusehen. Nicht ohne mir den Hinweis zu geben, beim
Ausfüllungspunkt Mitglied einer Partei nicht ohne hinzuschreiben, sondern
damit zu warten. Ich sollte zum Parteisekretär der SED meines Noch - Betriebes
gehen und dort um Aufnahme als Kandidat der SED bitten, dass machen die
dort gern, denn das gibt ein Erfolgserlebnis für die dortige Partei. So war es
dann auch. Die von der Polizei sagten mir dann noch fast entschuldigend, dass
mit der Partei müsse leider so sein. Im VPKA sind alle Mitglied der SED. Die
Betriebsparteiorganisation (BPO) meiner Arbeitsstelle verlangte von mir noch
vor der Abgabe meines Aufnahmeantrages die Stellungsname eines Bürgen aus
dem Wohngebiet, der natürlich Mitglied der SED sein musste.
Aber es kam wieder einmal ganz anders
Und jetzt kommt wieder die Problematik Freier Wille ja oder nein. Wäre ich nicht zum Nachbarn gegangen, bräuchte ich das nicht schreiben und keine Sau würde sich für mich interessieren. Ich wäre vielleicht ein kleiner Kripobeamter geworden. Aber die Dialektik des Lebens spielt nach anderen Regeln. Klar, ich hätte ja nicht zu meinen Nachbarn gehen brauchen, der mich damals für das WR geworben hatte. Und schon wäre mein Leben total anders verlaufen. Bis zur Problematik meiner späteren Ehe, und der daraus hervorgegangenen Kinder usw. usf.
Aber es sollte ja jemand für mich bürgen, der mich gut kannte. Also bin ich hin. Und mein Leben nahm den Verlauf, den ich jetzt schildern darf. Mein Nachbar (1969) war Offizier einer kleinen Kreisdienststelle (KD) von damals 11 Personen incl. Hausmeister, Reinigungskraft und Kraftfahrer. Er war fast erschrocken, dass ich meinen 3-jährigen Dienst schon beendet hatte und schrieb natürlich sofort die Bürgschaft, dabei zeigte er sich erfreut, dass ich eine derartige Entwicklung als künftiger Genosse nehmen würde. An dieser Stelle sei gesagt, dass mein Nachbar in meinen kleinen Heimatort von ca. 1.000 Einwohnern damals eine Respektsperson war und durch seine aktive Teilnahme am Dorfgeschehen beliebt war. Er war jedenfalls nicht als SS bekannt. Nicht weil man es nicht wusste wo er arbeitete, das war jedem im Ort bekannt. Aber es gab eben nichts negatives. Man war in seiner Nähe mit Sicherheit nicht so offen im Umgang mit seiner Meinung, aber geschimpft über Missstände wurde auch in seinem Beisein.Immer in der Hoffnung, na ja, der kann vielleicht was machen, was aus heutiger Sicht natürlich wie ein Witz
Mit dieser Bürgschaft und den Antrag auf Mitgliedschaft für die Partei der
Arbeiterklasse (SED) ging ich dann zum Parteisekretär der BPO
(Betriebsparteiorganisation) und überreichte ihm Beides. Er organisierte dann
die Mitgliederversammlung der BPO und ich wurde einstimmig aufgenommen.
Mit dieser Urkunde ging ich dann zum VPKA und ging mit meinen
ausgefüllten Formularen , zum Chef der Kripo und er diskutierte mit über
Entwicklungswege und spätere Einsatzmöglichkeiten
bei der VP, Bereich Kripo. Ich hatte den Eindruck das sie auf diesem Gebiet
Personalmangel hatten und dringend Nachwuchs brauchten. Aber es sollte wie
gesagt alles anders werden. Denn noch in der gleichen Woche klopfte es an
unserer Haustür und der Nachbar stand davor. Er wollte mit meinen Eltern und
natürlich mit mir sprechen. Mein Vater war ja SED Mitglied und war
derartigen Umgang gewohnt. ( neeeein, er war kein Spitzel). Aber meine Mutter
tat mir leid, sie litt immer unter Minderwertigkeitskomplexen. Obwohl sie allen
Menschen hätte ein Vorbild sein können in ihrer Einstellung zum Leben usw. So
wollte sie dann auch nicht unbedingt den Kontakt zu diesen Nachbarn. Er
jedenfalls sagte dann zu mir und meinen Eltern, dass es für mich eine gute
Entwicklungsmöglichkeit im MfS geben könnte. Dabei öffnete er seine
Aktentasche, entnahm ihr meine für eine Tätigkeit bei der Kripo ausgefüllten
Personalunterlagen und wollte dann wissen wie ich mich entscheide. Er sagte
dann nur noch, ich brauche mir keine Gedanken zu machen, es ist alles mit dem
VPKA geklärt, wenn ich mich fürs MfS entscheide könnte er dieses Unterlagen
sofort zerreißen. Was er nach meiner Zustimmung auch gleich tat. Damit war
mein Schicksal besiegelt. Und mein Leben nahm eine jähe Wende. Mit dem
Hinweis das ich weiterhin arbeiten gehen sollte, das könnte noch ca. 4 – 8
Wochen mit meinen Dienstbeginn dauern, ging er dann. Meine Mutter war sehr
traurig und ich spürte, dass es ihr bedeutend lieber gewesen wäre, ich wäre zur
Kripo gegangen. Na ja, Freier Wille. Meine zwei Brüder ahnten schon, das sie auch ihr Leben eventuell umstellen müssten, wenn ich bei der Stasi anfange. Es
war eigentlich ein Witz. Tage zuvor rannten mein Vater, meine zwei Brüder und
ich mit einer selbstgebauten , sogenannten Ochsenkopfantenne durchs Haus
um wenigstens einen Schatten von Westfernsehen zu empfangen, oder
wenigsten Westradio über UKW. Aber nix ging. Auch bei unseren Nachbarn
nicht. Nur ganz schwach und laufend schwindend gelang es uns manchmal den
Sender NDR oder RIAS mit den Schlagern der Woche zu hören. Uns blieb dann
meistens nur Radio Luxemburg auf KW mit den dazu gehörenden
Nebengeräuschen. Trotzdem haben wir damals davon Tonbandaufnahmen
gemacht. Neben Gekreische und Gegratsche hörten wir manchmal auch
jemanden singen. Ich weiß es noch wie heute, wir hofften immer, das der Ton
nicht gerade dann wegging, wenn die besten Schlager kamen. Jeder kennt sie,
es waren damals( jedenfalls für mich) Peter Kraus, Ted Herold, Freddy
,natürlich Elvis, Bernd Spier, Bernd Glüver, Conni Francis usw. usf.
Aber irgendwie ist es so, dass man heute all diese Schlager in bester Qualität
hören kann, wann und wo immer man will. Aber es wird nie so schön sein wie
damals. Ich weiß es noch ganz genau wie oft ich zu unseren Hausnachbarjungs
gegangen bin ( eine Etage höher) und dort haben wir Stundenlang immer
wieder die gleichen Schlager vom Tonband gehört. Auch zu anderen damaligen
Dorfkindern bin ich gegangen, die auch solche Musik hatten. Ich wollte
unbedingt auch so werden, wie einer dieser Sänger. Schöne Träume. Vielleicht
sind es gerade diese und natürlich auch andere Träume, die einem die Kindheit
so wertvoll und unvergessen machen.
Aber ich wurde ein SS (Stasischwein). Wie man ein SS werden kann, habe ich
gerade oben geschildert.Und das ist die Stelle, an der ich immer wieder
Lachkrämpfe bekomme, wenn ich an die dümmlichen Versuche der RT denke,
heutige Abgeordnete oder andere Leistungsträger in Sport, Gesellschaft , Politik
oder anderswo mit aller Kraft aus deren verantwortlichen Positionen zu
drängen. Mit der Anschuldigung sie hätten z.B. als 18 jähriger/e eine
Verpflichtungserklärung als IM zur Mitarbeit bei der Stasi unterschrieben und
könnten deshalb aus moralischen Gründen doch niemals eine leitende Tätigkeit
im öffentlichen Leben ausüben. Bestes Beispiel ist der Eiskunstlauftrainer
Steuer. Aber es gibt noch eine Vielzahl Anderer. Gut, ich muss sagen, dass ich
natürlich keine Lachanfälle bekomme, wenn durch diese Personen andere Menschen Schaden erlitten haben. Hier muss man natürlich im Interesse des
Geschädigten denken, immer gemessen an der Art und Weise des Schadens.
Aber durch meine jahrelange Tätigkeit im MfS kann ich sehr gut anhand einiger
IM Berichte einschätzen, welche Angaben im Bericht zum Nachteil einer
Person werden können und was für Bedingungen notwendig sind damit sie es
werden. Es sollten sich doch einmal Psychoanalytiker Gedanken darüber
machen, warum Jugendliche wie ich damals, solche Schritte gegangen sind, na
gut ,lieber nicht, denn diese sogenannten Experten liegen mit ihren Erklärungen
garantiert daneben. Aber ich müsste es doch wissen,warum ich damals zum
MfS bin, oder? Natürlich weiß ich es, und nicht die Klugscheisser von heute.
Und das wurde ich am 01.08. 1969 mit meinem Ersten Tag in der oben
genannten Kreisdienststelle ( KD) einer kleinen Kreisstadt. Mein Nachbar nahm
mich im Diensttrabi mit. Und ich muss sagen, ich war damals stolz. Ich weiß
auch, dass mich einige im Ort beneideten. Ich wurde als Unteroffizier
eingestellt und erhielt damals eine Vergütung von 735.- DDR Mark. Ungefähr
100 mehr , als ich als Dreher hatte. Aber bei deutlich mehr Stunden auf Achse.
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke kann ich es mir gar nicht vorstellen, dass ich ein und der selbe Mensch sein soll. Was war ich doch damals für ein harmloses Mäuschen. Es war eigentlich ein Lacher, das ausgerechnet ich in einen solch mächtigen Apparat eine Laufbahn aufnehmen und es bis zum Hauptmann bringen sollte. Ich war und bin ja nicht gerade groß gewachsen. Na gut, viele Prominente sind das ja auch nicht, jeder kennt sie. Aber ich dachte immer, bei der Stasi sind große, harte und immer gut trainierte Jungs. Na ja , für manche traf das ja auch zu. Ich wurde also aufgrund meiner Jugend dem Referat 20 , bedeutet Jugend/ Gesundheitswesen und Kirche zugeordnet, erhielt einen Schreibtisch im Zimmer meines Nachbarn, wir waren also ab sofort gleichrangig, also nicht im Dienstgrad und auch nicht in der Gehaltsstufe aber in der Dienststellung. Zunächst musste ich alle Dienstanweisungen und Richtlinien des MfS studieren, vor allem (das weiß ich noch wie heute) die wichtigste Richtlinie des MfS, die I/68, das war die, bei der es um die Arbeit im Umgang mit IM`s geht , der damit verbundenen Konspiration, Geheimhaltung und weitere Arbeitsrichtlinien, das Strafgesetzbuch der DDR (StgB) und die Strafprozessordnung (StpO). Gleichzeitig wurden mir vorerst ca. 10 IM (inoffizielle Mitarbeiter)zugewiesen, das sind Menschen, die bei westlichen Geheimdiensten V- Leute genannt werden, nicht zu verwechseln mit Agenten. Dann gings zum ersten Treff mit einen IM, der im Bereich Jugend tätig war und mir übergeben werden sollte. Er entstammte dem kriminellen Milieu und wurde in diesem Zusammenhang geworben. Ich studierte seine Akte und wusste dann wie. Treffort war und das war mit das wichtigste bei der Arbeit des MfS, eine konspirative Wohnung. Das sind Räume, die unter Legenden eingerichtet und wen nötig gemietet wurden. Es gab aber auch solche Wohnungen oder Räume in öffentlichen Gebäuden und anderen staatlichen Einrichtungen, sowie Betrieben, usw. Ich erhielt auch weibliche IM`s. Bei Treffs mit weiblichen IM war es oberste Pflicht das immer zwei MA (Mitarbeiter) gehen mussten. Das war sozusagen die Erfahrung in Auswertung von Treffs mit Frauen, wo es zu Erpressungsversuchen dieser IM gekommen ist,weil diese dann behaupteten, sie seien von Stasiemitarbeitern sprachen vergewaltigt worden usw. Es war also ein Prinzip der inneren Sicherheit. Wie bei den Zeugen Jehovas, die gehen ja auch immer zu zweit.
An dieser Stelle möchte ich mal feststellen, das ich weitgehendst Schiss hatte,
für die weitere Arbeit mit IM. Ich möchte mal einen kleinen Abriss geben wie
sich so der Dienstalltag gestaltete und wie die Erwartungshaltungen der Chefs
auf allen Ebenen aussah. Also, Dienstbeginn war 8.00 Uhr. Dasein sollte man
aber bereits 7.30Uhr, denn bis 8 war Zeitungsstudium und zwar das Neue
Deutschland (ND) als freiwilliger Zwang vorgesehen. Dann mußte jeden
Montag der Wochenplan geschrieben werden. Also, was will ich von Montag
bis Freitag tun um die DDR Staatsfeindfrei zu machen.Danach wurde dann
Freitags abgerechnet. Einmal wöchentlich gab es entweder eine
Dienstversammlung oder eine Parteiversammlung, Dienstversammlung
während der Arbeitszeit, Partei außerhalb. Es ist eigenartig. Wenn ich an die
Parteiversammlungen in der KD denke kommt mir jetzt noch das Gruseln und
das ist über 40 Jahre her. Ich war eine absolute Flasche auf dem Gebiet des
politischen Wissens. Dann hatte ich Minderwertigkeitskomplexe im Beisein
von Vorgesetzten. Wenn es sich bei den Parteiversammlungen
notwendigerweise ergab, das auch ich einen Diskussionsbeitrag leisten sollte,
wurde ich rot und fing an zu stottern . Es war furchtbar. Dieses Gefühl änderte
sich auch im Verlauf der nächsten Jahrzehnte nur wenig,eigentlich keine guten
Voraussetzungen für eine Karriere.
An dieser Stelle einmal einen Hinweis, wie sich die Dienststellung und der
Personalbestand strukturierte. Also zunächst der KD Chef, er war Major, sein
Stellvertreter war Oberleutnant und gleichzeitig für den Fachbereich
Volkswirtschaft zuständig.Das bedeutete, er und natürlich auch wir mussten
unsere Tätigkeit so organisieren, wie sie sich aus dem Strafgesetzbuch (StgB)
der DDR und den dazu von Partei und Regierung, sowie dem MfS erlassenen
Durchsetzungsbestimmungen , ergaben. Wer sich für weitere Strukturen des
MfS interessiert findet dazu alles im Internet.
Zu Arbeitsgruppe Volkswirtschaft gehörte noch ein weiter MA. Dann folgte die
Gruppe mit drei MA, zu der auch ich gehörte, das waren zwei Oberleutnants
und ich als Unteroffizier.Dann gab es den sogenannten Stabsoffizier, einen
Oberleutnant, sozusagen das Mädchen für alles.Er war der Verbindungsoffizier
zur Polizei, zum WKK (Wehrkreiskommando) zu den ortsansässigen
Armeeeinheiten (Panzer) und anderen öffentlichen Institutionen. Der Chef hielt
logischerweise die Kontakte zum 1. Sekretär der SED Kreisleitung und
koordinierte die Arbeit mit den darüber liegenden Aufgaben der
Bezirksverwaltung des MfS (BV). Das sogenannte Herz der Arbeit eines MA
des MfS, egal wo in der DDR, war die Arbeit mit den IM`s, für uns natürlich im
Kreisgebiet. Das hieß zu aller erst die Pflege und Kontrolle des vorhandenen
Bestandes, aber noch wichtiger war die ständige Erweiterung des IM Bestandes
in Verbindung natürlich mit der jeweils aktuellen Lage im Kreisgebiet. Dazu
war es zwingend notwendig ständig die sogenannten OV (operative Vorgänge )
anzulegen. Dazu gab es die Selbstverpflichtung als Parteiauftrag zu den
Parteiversammlungen und als Zielsetzung für die Jahresplanung.O Gott, mir
wurde richtig schlecht, als ich mich damit konfrontiert sah. Ich war mir
ziemlich sicher, das schaffe ich nie, nie und nimmer.
Aber es kam ja wieder einmal alles ganz anders. Als hätte mein Schicksal
Erbarmen mit mir ( oder der Freie Wille ), gab es wieder einmal eine jähe
Wende. In der BV Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) , wie natürlich überall in
der DDR, brachten es die veränderten Außen und Innenpolitischen Verhältnisse
durch die internationalen Lage ( größere Anerkennung der DDR)mit sich, dass
sich eine andere politisch operative Lage ( wie wir sagten) ergab. Mein KD
Chef befahl mich in sein Zimmer ( mir war schon vorher gleich schlecht)und
teilte mir mit, dass ich ab Montag, d.h. In 3 Tagen, incl. Wochenende nach Karl-Marx-Stadt zum dort neugegründeten Referat 5 der Abteilung VIII versetzt bin.
Ich räumte meinen Schreibtisch, dankte (ohne zu wissen was mich in Karl-
Marx-Stadt erwarten würde) o mein Gott, ja genau diesen, und begann ,wie
befohlen meinen nächsten, dann längeren Lebensabschnitt, in Chemnitz ( ist
kürzer). Und was mich dort in den nächsten Jahren erwartete entschädigte für
alles , was ich an Ängsten davor hatte. Ja, es ist mir schon klar, was ich doch
für ein Arschloch bin, wenn ich was positiv finde bei der Stasi. Aber ich
berichtete ja im Moment über meine Gefühle und nicht über die Erfahrungen
Andersdenkender, das kommt schon noch. Das was ich dort jedoch in den
Jahren von 1970 bis 1981 für Aufgaben erfüllte, das entsprach meinen
Vorstellungen von Geheimdienst, weil es genauso alle Geheimdienste dieser
Welt, damals und auch heute noch tun. Also nochmal zur Klarstellung, die
DDR gibt’s nicht mehr, aber die Methoden der geheimdienstlichen Arbeit sind
weltweit gleich. Nur die Ziele und Aufgaben sind anders und entsprachen in der
DDR dem Gedankengut einer Diktatur.
Also, ich meine, ich verrichtete von da ab die klassische Geheimdienstarbeit.
Hatte aber zu diesem Zeit natürlich noch nicht die geringste Ahnung, was mich
während dieser Zeit erwarten könnte. Es waren 3 Jahre dabei, die ich als die
folgenreichsten und Eindrucksvollsten meines gesamten Lebens bis jetzt und
bestimmt auch bis zum Ende meines Lebens erlebt habe. Ein damaliger KD
Chef, ein Chef der Abteilung 26 der BV und ein MA der KD, sagten mir damals
während dieser 3Jahre, wenn du darüber einmal deine Memoiren in Form eines
Buches schreiben könntest, könnte das ein Bestseller werden. War natürlich
Quatsch, denn vor Veröffentlichung hätte ich schon im Knast gesessen.
Aber zu diesen größten Einschnitt meines Lebens später.
Schon der 1. Tag in Chemnitz machte mir klar, das ist was für mich. Wir waren
vorerst ca. 10 ungefähr gleichaltrige Jugendliche, bekamen einen unmittelbaren
Vorgesetzten, der ca. 35 Jahre war. Damals für mich schon sehr reif und
erfahren, heute wäre es ein Hüpfer. Einer aus unserer Mitte wurde
Parteisekretär. Uns wurden zwei Wartburg 353 zugeteilt. Für damalige
Verhältnisse ein Luxus. Als Unterkunft diente uns ein ehemaliges Ferienobjekt.
Für meine Bedürfnisse sehr, sehr angenehm. Es diente als
Gemeinschaftsunterkunft und auch als Dienstobjekt für größere Versammlungen. Denn es stellte sich heraus, dass noch weitere Gruppen wie
unsere gebildet wurden. Dann erfolgten die ersten Einweisungen in unsere
Aufgaben und der damit verbundenen Ausbildung, theoretischer und
praktischer Art. Wir wurden also darüber aufgeklärt, dass wir uns als DDR
aufgrund diplomatischer und wirtschaftlicher Anerkennung der Welt öffnen
mussten und es in Folge dessen zu verstärkten Kontaktmöglichkeiten durch
möglicher Feinde des Sozialismus kommen wird. Deshalb habe der Minister
Milke Befehle und Weisungen an alle DE (Diensteinheiten) herausgegeben,
sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen und dem Klassenfeind keine
Chancen zu lassen.Vor uns stand also die Aufgabe, die verstärkte Zunahme der
kommerziellen Reisetätigkeit westlicher Wirtschaftsvertreter und anderer
Interessengruppen unter Kontrolle zu halten. Wir erhielten die dazu notwendige
Technik, wie Fahrzeuge, Funkstationen, konspirative Fototechnik ( eingebaut in
Aktentaschen, Zigarettenschachteln, hinter Knopflöchern in Fernglastaschen
auch Infrarotkameras) Diese hochmodernen Kameras waren aus Frankreich und
Japan. Auch Bärte und Perücken gehörten zu unserer Ausstattung. Für
Beobachtungstätigkeiten zu den Leipziger Messen , Frühjahr und Herbst, stand
uns zur besseren Tarnung auch ein BMW und ein Mercedes , natürlich mit
westlichem Kennzeichen, zur Verfügung.
Wir wurden also zu gut ausgerüsteten und trainierten Observierungsgruppen
ausgebildet. Es folgte eine Reihe von Trainingsprogramme und dann folgte die
ersten Einsätze. Unsere Leitzentrale mit Stützpunkt in der BV erhielt z.B. von
den Grenzübergangsstellen BRD/DDR Transit Autobahn oder Eisenbahn den
Hinweis, das z.B. im Zug Nr. Platz Nr. sowieso, eine interessante Person mit
dem Reiseziel Chemnitz, sitzt . Der Chef ist daran interessiert, wohin genau
diese Person reist und wenn möglich sind alle Kontakte bis zur Zieladresse
aufzuklären und fotografisch zu dokumentieren. Wir fuhren dann also mit
diesen Informationen zum angegebenen Grenzübergang Güst sowieso und
warteten dann an entsprechenden Stellen , meistens ca. 2 km nach der Güst. auf
das gemeldete Fahrzeug, was wir dann anhand des Kennzeichens aufnahmen
und dann entsprechend observierten u. Dokumentierten, bis es die Zieladresse
erreichte. Oder wir suchten das Reiseabteil der Person im Zug auf und fuhren
dann in Nähe dieser Person bis zum Zielort usw. Nach Erfüllung dieser
Aufgabe fertigten wir dann einen sogenannten Beobachtungsbericht, der bis
ins kleinste Detail alle Zeiten und Tätigkeiten des Ablaufs beinhaltete. Es wurden die im eigenen Labor entwickelten dazugehörigen Fotos eingeklebt
und der auftragsersuchenden Abteilung übergeben. Wir gingen also auch
erforderlichenfalls mit diesen Personen in die Bars der Stadt Karl-Marx-Stadt
(Chemnitz), und blieben dort solange wie sich die Zielperson dort aufhielt.
Nahm die zu beobachtende Person während dieser Zeit Kontakt zu anderen
Personen auf, dann war es unsere Aufgabe, diesen Kontakt unter allen
Umständen aufzuklären und wenn es bis zur Ostsee gewesen wäre (was auch
vorgekommen war).Ich dankte dem Schicksal, das ich von der Tätigkeit eines
Dienstes in der KD weggekommen war und fühlte mich für den Job eines
Beobachters wie geschaffen. Da ich nicht besonders ängstlich war zu dieser
Zeit wurde ich auch für Aufgaben mit riskanterem Ausgang ausgewählt.So kam
ich zum Einsatz, als sich ein Bürgermeister einer Kleinstadt durch
Morddrohbriefe bedroht fühlte und ein anderer Mitarbeiter und ich den Auftrag
erhielten, diesen Bürgermeister zu beschützen. Wir wurden also in den
Nachtstunden im Büro des Amtes eingeschlossen ,( die Privaträume des
Meisters aller Bürger befanden sich im gleichen Haus) um eine eventuelle
Gefahr für das Leben des Meisters abzuwenden. Das taten wir dann mehrere
Tage, es geschah aber nichts . Im Jahre 1971 wurden mir und zwei weiteren
Mitarbeitern ein Auftrag der besonderen Art erteilt. Der Chef der Abteilung VI
und unser Chef befahlen uns drei zu einer Zusammenkunft um uns in eine
Aufgabe einzuweisen, die sich über den Zeitraum eines Jahres erstreckte. Der
Bezirk Karl-Marx-Stadt grenzte ja bekanntermaßen an die CSSR an. Und es
wurde bekannt, dass entlang dieser Grenze an ausgewählten Stellen zwei
sogenannte „Tote Briefkästen“ (TBK) gefunden wurde, die zu
nachrichtendienstlichen Zwecken genutzt wurden. Also die klassischste Form
der Weitergabe von Nachrichten. Unsere Aufgabe sollte es nun sein, entlang der
gesamten Staatsgrenze zur CSSR ( ca. 450 Km) nach solchen TBK zu
suchen.Diese Aktion sollte aber natürlich so konspirativ als möglich
durchgeführt werden. Um Aussagefähig gegenüber der jeweiligen Bevölkerung
und auch den im Grenzgebiet ansässigen Förstern zu sein, erhielten wir im
Rahmen eines Kurzlehrganges das unbedingt notwendige forst - und
jagdwirtschaftliche Grundwissen um wenigstens ein bisschen mitreden zu
können. Denn Kontakte zu den im jeweiligem Gebiet tätigen Forstfachleuten
waren ja unausweichlich. Natürlich gab es einige wenige ausgewählte IM dieser
Gebiete, die von unserem Aufenthalt Bescheid wussten. Ebenso diejenigen, die uns die notwendigen Unterkünfte zur Verfügung stellten. Wir erhielten zur
Komplettierung unserer Legende ein Forstausrüstung (also Uniform, Technik,
Kartenmaterial, Fotoapparate usw.) Das gesamte bewaldete Grenzgebiet war ja
in sogenannte „Jagen“ aufgeteilt, was uns die Dokumentation der durchsuchten
Gebiete erleichterte.Wir fotografierten also das gesamte Grenzgebiet des
Bezirkes zur CCSR, jede kleine Hütte, auffällige Erdhügel, entdeckten dabei
alte Stollen, durchsuchten auch diese, untersuchten alte verfallene Brücken, die
über Grenzbäche führten, dokumentierten im Grenzbereich stehende
Wohnhäuser, sowie andere Gebäude und klärten wer diese bewohnte.Wir
dokumentierten auch versteckt mit Teletechnik, wenn sich Personen verdächtig
in Grenznähe verhielten. Während in den schneefreien Monaten eine
Spurensuche nicht möglich war, nutzen wir die Wintermonate und entdeckten
dabei auch Fuß-und Skispuren, die auf Verletzung der Grenze hinwiesen. Wir
blieben dann auch Tags-u.Nachts an derartigen Stellen um evt. Grenzverletzer
festzustellen, was uns aber nicht gelang( Gott sei Dank)Wir lernten während
dieser Zeit einige Mädchen kennen, die zwar nicht wussten wer wir sind, aber
junge Männer in dekorierten Forstuniformen ( Zuerst waren wir Forstmeister,
was ja den Abschluss einer Hochschule voraussetzte), hatten gute Chancen bei
den ortsansässigen Frauen. Es stellte sich aber heraus, dass man uns diesen
Abschluss nicht abnahm und unsere Legende in Gefahr geriet. Deshalb gab uns
ein Offizier im besonderen Einsatz (OIBE) den Hinweis und Rat, eine Uniform
als Oberförster sei glaubwürdiger, was wir auch taten.Wir stellten in diesem
einen Jahr eine Menge Fremdgeher im Waldgebiet fest, aber fanden keinen
einzigen TBK ( was ja auch ein Erfolg war). Insgesamt war dies für mich ein
herrliches Jahr, was aber einmal sehr gefährdet war, als mich ein Forstingenieur
meines Wohngebietes im Wald sah und mich ganz erstaunt fragte, warum er von
meiner Karriere im Forst nichts wusste. Er sei der Meinung gewesen, ich
arbeite wo anders. Zu unserem Glück stellte sich heraus, das dieser Mensch
auch IM war. Wir waren mit einem Motorrad MZ, einen Wartburg 353 der
Forstbetriebe, sowie im Winter mit Skiern unterwegs. Dieses 1 Jahr war
höchstwahrscheinlich für mich sowas wie ein Empfehlungsschreiben für
weitere Aufgaben mit höheren Anforderungen. So sagte es damals jedenfalls
mein Chef .Und im Januar 1973 war es dann soweit.
Wie alles im MfS wurde auch diesmal alles mit Befehlen geregelt. Mein Chef
gab mir also im Januar 1973 den Befehl mich zu einer bestimmten zeit in einem damals hochkonspirativen Objekt einzufinden. Ich konnte es so einschätzen,
weil das Äußere und insbesondere das Innere der Villa das boten, was man aus
Filmen kennt und für DDR Verhältnisse schon was besonderes war. Das betraf
die Ausstattung einerseits und die Qualität der späteren Servierung von
Getränken und Speisen. Mein Chef sagte schon im Vorfeld dieses Termines, das
mich was besonderes erwartet. Man sagte mir zu Beginn auch sehr deutlich,
dass ich den Standort dieses Gebäudes sofort nach Abschluss der Beratung
unbedingt vergessen muss, da in diesem Objekt üblicherweise nur Kundschafter
Ausländischer Nationalitäten kontaktiert und betreut werden. Warum auch ich,
sollte ich bald erfahren. Man stellte mir die Anwesenden vor, da wurde mir klar,
was für ein kleines Würstchen ich eigentlich war ( bis dahin, denn sonnst hätte
man mich ja nicht geholt).Mir war Jahre später immer wieder klar geworden,
wer sich damals die Ehre gab, war schon nicht alltäglich, für solche wie mich.
Da war anwesend der Chef der Abteilung XXVI, ein KD Chef sowie ein
Kundschafter ( also NSW Aufklärer ) . Sowie der federführende Offizier des
KD Chefs. Also für mich kleinen Bobel war das schon was, für Andere meiner
Truppe damals sicher auch. Zu Beginn sagten sie gleich, wenn du dir das nicht
zutraust, was wir dir jetzt übertragen wollen, kannst du jederzeit nein sagen,
denn für derartige Aufgaben gibt es keine Befehle. Dann vergiss alles sofort, dir
ist klar was passiert, wenn nicht. Klar, das wusste ich. Mir ging durch den Kopf,
ein KD Chef und ein hochkarätiger Chef der Abteilung, die zuständig war für
Abhöraktionen im Inn und Ausland, mit Telefon und Wanzen Technik. Und in
besonderen Fällen auch das konspirative Durchsuchen von Wohnungen und
anderen Objekten. Also, was wird das und ausgerechnet ich, wieso?.Das
erklärte man mir dann auch als erstes. Ich sei mutig, flexibel im Denken und
hätte bei zurückliegenden Aufgaben bewiesen, dass man sich auf mich
verlassen kann. Hohe Einsatzbereitschaft und bedachtes Handeln, aber auch
Risikobereitschaft wären die erforderlichen Voraussetzungen für diese Aufgabe
und das hätte ich alles. Na gut, wenn dies sagen. Also, was soll ich machen.
Dann gings los. Der KD Chef fing an, denn es ging um sein Aufgabenbereich.
Er erläuterte, dass es in seinem Kreisgebiet eine russische Kaserne gibt, von der
streng geheime Militärische Informationen abfließen. Die Offiziere, die diese
Informationen weitergeben kennt man bereits, es ist auch bekannt an wem diese
Informationen im Kreisgebiet gegeben werden, aber völlig ungeklärt ist wie
sich die Verbindungsstrecke zu den westlichen Geheimdiensten gestaltet. Also es muss unbedingt der Verbindungsweg aufgeklärt werden. Entweder der BND
oder CIA kamen in Frage, andere Geheimdienste nicht. Also wenn man so will,
war das eine klassische Aufgabenstellung für einen Mitarbeiter des MfS. So
stellte ich mir Geheimdienstarbeit vor. Gut aus heutiger Sicht kann man ja
sagen, das meine spätere Aufklärungsarbeit mit dazu beigetragen hat, das die
Mauer ein Stückchen länger stehen blieb,oder? Aber wir waren damals ein
souveräner , selbständiger Staat und waren im Warschauer Vertrag integriert mit
allen damit existierenden Verpflichtungen. Da muss ich mir als kleiner Bobel
doch heute keine Vorwürfe machen, oder? Bei jeder Dienstversammlung
erhielten wir Zahlen, wieviel Militärspionagevorgänge es innerhalb des
Ostblockes gibt. Na gut, dachte ich, mal sehen wies weitergeht. Der KD Chef
sagte dann, deine Aufgabe wird es sein, dass du dich zunächst in das Wohnhaus
des Verbindungsmannes der russischen Offiziere einquartierst, wenn das
geschehen ist, werden wir einen unserer besten Wanzeneinbauer zu dir
schicken, der mit dir dann gemeinsam alle Zimmer des Hauses unter
Abhörkontrolle stellen wird. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass nach vorheriger
Abstimmung mit den Genossen des KGP, an noch zu erforschenden Zeiten
konspirative Wohnungsdurchsuchungen gemacht werden.Die Weichen dazu
müsste ich stellen. Zu meiner Sicherheit sei es unbedingt erforderlich, dass ich
eine völlig neue Identität erhalten müsste, also neuen Personalausweis, neuen
Ausweis für Arbeit und Soziales , sowie Gesundheit (SVK Ausweis), neue
Schul- und Berufsschulzeugnisse, anderer Lebenslauf ,Geburtsurkunde, es
wurde an alles gedacht. Vorgesehen war, das ich in Dresden geboren und
aufgewachsen bin . Ich wurde auch zwei Jahre älter, also 45 geboren,damit
meine Eltern im Bombenangriff 1945 ums Leben kommen konnten und ich
auch keine weiteren Verwandten mehr hatte. Ich wuchs also im Heim
auf.Wichtig war noch für aufkommende Fragen zu wissen, das ich eine Lehre in
der damaligen Flugzeugwerft in Dresden/Klotzsche absolvierte und dann auch
dort arbeitete, bis ich sozusagen eine Freundin im Operationsgebiet meines
Einsatzortes kennenlernte, die mich dazu überreden sollte zu ihr zu ziehen. Dies
Legende sollte ich natürlich auswendig lernen. Für die Vorbereitungen auf
diesen Einsatz hatte ich drei Monate Zeit. Diese Zeit musste ich dafür nutzen,
mir ausführliche Ortskenntnisse von Dresden anzueignen. Dafür erhielt ich für
drei Monate ein Hotelzimmer im damals besten Hotel auf der Prager Straße,
ausreichend Geld für Nahrung und auch Spaß. Nach Ablauf dieser Frist legte ich eine kleine Prüfung ab, erhielt alle neuen Papiere und war ab diesem Tag,
bis auf längere Zeit ein anderer Mensch. Ich durfte ab diesem Zeitpunkt
keinerlei Kontakte zu Bekannten, Freunden, meinen Eltern usw. mehr haben. Es
gab für diesen Einsatz die folgende Vorstellung vom Zeitablauf her. Als erstes
musste ich mich für eine Tätigkeit in einem Großbetrieb des Einsatzgebietes
richtig offiziell für eine Tätigkeit bewerben. Ich sollte aber keinesfalls als
Schichtarbeiter anfangen, da dies für evt. Notwendige Einsatzzeiten ungünstig
sein könnte. Der Einzige, der von meiner Bewerbung als MfS Mitarbeiter in
diesem Großbetriebes Bescheid wusste, war der Direktor . Im Vorfeld meines
Einsatzes wurde ich ihm vorgestellt und er sollte dafür sorgen, dass ich als
Schlosser eingestellt werden konnte. Ich musste mich natürlich in der
Kaderabteilung dieses Betriebes für eine solche Tätigkeit bewerben. Mein
Einsatzzeitpunkt rückte immer näher und es sollte der 01. März 1973 sein. Mir
war schon ganz schön mulmig. Denn ich wurde darauf hingewiesen, dass man
bewusst darauf verzichtet hatte ,einen IM für diesen Auftrag einzusetzen, da es
um die Erlangung von Kenntnissen ging, die nur offizielle MA haben durften.
Auch sei es nicht ganz ungefährlich, aber durch die einzubauende Abhörtechnik
ist man in der Lage zu erkennen, ob sich eine Gefährdung für mein Leben
anbahnt.Anfangs war es so geplant, dass ich idealerweise ein Verhältnis mit der
Tochter des Verdächtigten eingehen sollte, was aber nicht zustande kam, da
diese kurz vorher einen Freund hatte. Der MA der KD sagte mir dazu nur noch,
dass ich Glück gehabt habe, da diese Tochter sehr, sehr fett sei. Na gut, es kam
ja anders ( wie schon so oft). Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und
Geschwister auf unbestimmte Zeit, ich würde für etwa ein Jahr ins Ausland
gehen, Sie sollten sich keine Gedanken machen, auch wenn ich nicht schreiben
würde.Es war auch Anfangs tatsächlich ein Einsatzzeitraum von ca.12 Monaten
vorgesehen. Doch aufgrund eines Abstimmungsfehlers mit dem KGP wurden
daraus fast 3 Jahre. Und ich war der, der es erdulden musste. Aus heutiger Sicht
( 38 Jahre später), gehörte diese Zeit zu den lehrreichsten meines ganzen
Lebens. Aber damals nicht. Ich fuhr also mit dem Zug bis zum Zielort, eines
größeren Dorfes mit ca. 2500 Einwohnern. Ich wusste natürlich vorher, wo
meine künftige Unterkunft sein musste, aber bis dahin war es noch ein weiter
und ungewisser Weg. Ich musste also Möglichkeiten finden, eine Wohnung im
Haus des Verdächtigen zu bekommen.Die Mitarbeiter der Kaderabteilung des
Betriebes wunderten sich Anfangs sehr, dass jemand einen solchen Arbeitsplatz als Flugzeugmonteur aufgibt und als Schlosser mit weit aus weniger Lohn
arbeiten will. ( kleiner Fehler in der Vorplanung)Aber sie zeigten dann sofort
Verständnis, als ich klarstellte, dass ich wegen ein großen Liebe hierher
verzogen bin. Da aber meine Freundin noch bei ihren Eltern wohnte, brauchte
ich auch dringend eine Unterkunft des Betriebes. Das das möglich war, wussten
wir durch den Betriebsleiter. Also wurde ich von der Kaderabteilung als
Wohnungssuchender aufgenommen und erhielt aber vorübergehend ein Quartier
in einer Baracke des Betriebes. Davon gab es mehrere, die waren für eine
größere Zahl von Ofenmaurer vorgesehen, wenn diese die gr0ßen
Drehrohröfen reparierten. Als Notunterkunft ging es ja. Aber für längere zeit ist
es nicht auszuhalten. Ein Zimmer, ein Eisengestellbett, ein Tisch, ein Schrank,
eine Gemeinsamtusche und Toiletten und gewaltige Heizungsrohre durchs
Zimmer. Es war noch Heizungsperiode (März) und die Rohre krachten mit einer
Pracht jede Nacht, bei einer Bullenhitze, machst du die Heizung aus ist gleich
Arschkalt bei den Bretterwänden. Während dieser Zeit kamen dann auch die
ersten Ofenmaurer, einer wurde auf mein Zimmer verteilt. Ich glaube er war der
Abartigste. Es sagt schon der Name, Ofenmaurer, damit ist verbunden, das
diese Menschen in einem total verrusten Drehrohrofen defekte Ziegel
austauschen mußten. Eine Sauharte Arbeit, alle Achtung für diese Leistung.
Wenn dann mein Zimmerkollege nach einer 12 Stundenschicht ins Zimmer
kam, sah ich nur dann was helles an ihm, wenn er seine Brille abnahm. Aber
das ist natürlich das Abartige, aber während alle seiner Kollegen sofort in den
Tuschraum gingen. Nahm eine Buttel Bier nach der Anderen. Er sagte, ich
wasche mich erst mal innerlich, dann war meistens so blau, dass er sich total
schwarz ins Bett legte, morgens so aufstand und dreckig wie er war zur
nächsten Schicht ging. Das ging so weiter über vier Tage.Keine Waschungen,
viel Bier,immer mehr Ruß und immer mehr Bier und dann die Ankündigung:
am Wochenende wollen ihn ca. sechs seine Freunde und Freundinnen besuchen
kommen. Es sind alles sogenannte Tramper und brauchen eine Unterkunft, hier
sei ja noch Platz, die bringen ihre Decken mit, also keine Sorge. Die kamen
dann auch, nicht so dreckig wie er(auch er hatte sich dafür gewaschen und ich
wußte jetzt wie er aussieht) . Drei männl. Und drei weibl. Jugendliche.
Reichlich Alkohol dabei ( ich fand mich aber gut ein, denn auch ich war kein
Kostverächter und erhielt als Anerkennung auch ein Mädchen).Das war also
Party übers gesamte Wochenende. Ich bekam noch mit, dass einige von denen auf Diebestour gingen. Woher sie den Nachschub an Alkohol und Futter
nahmen weiß ich nicht.war mir auch Wurscht. Ich muß im Nachhinein sagen,
dass ich seit dieser Zeit auch anders über Menschen mit dieser Lebensweise
denke. Gut, das mir dabei meine gute Uhr abhanden kam, ist sozusagen der
einbehaltene Lohn für Speise, Trank und erfüllte Lust.So schnell wie sie
kamen, so schnell verschwanden sie auch wieder.Und auch die Montagezeit
meines Zimmerkollegen war damit abgelaufen. Ich war erleichtert, nicht noch
mehr eingebüßt zu haben. Ich dachte mir damals, das fängt ja gut an.
Zwischenzeitlich traf ich mich für weitere Instruktionen für mich, oder auch für
Probleme meinerseits in konspirativen Unterkünften in Zwickau und
Umgebung. Um die dazu notwendigen Treffzeiten und Orte zu vereinbaren,
bedienten wir uns eines uralten, aber sichersten Zeichensystems. Wir sahen uns
dazu im Vorfeld der Aktion alle einprägsamen Stellen meines Arbeitsweges an
und einigten uns, dass wir einen Holzlichtmast nutzten, der in Augenhöhe ein
kleines Loch hatte. Wenn es seitens der Auftraggeber bedarf gab mich zu
treffen, wird dieses kleine Loch mit einen Kaugummi zugeklebt sein. Das war
für mich das Signal, eine vereinbarte Rufnummer anzurufen um mich danach zu
treffen. Dieses System funktionierte bis zum Ende des Auftrages hervorragend ,
allerdings viel später als gedacht.
Nachdem ich also meine Unterkunft hatte, begann mein erster Arbeitstag., mit viel Spannung. Der Meister einer Brigade von ca. 35 Schlossern, Schweißern, Dreher, Schmiede und andere Arbeiter stellte mich als neuen Kollegen vor und ich erhielt meinen Arbeitsplatz, dazu Schlosserhandwerkszeug, einen Spind zum Umziehen, natürlich Arbeitskleidung usw. Als Schlosser stellte ich mich natürlich saublöd an. Wie denn auch anders ich war ja keiner. Aber nachdem sich das Staunen gelegt hatte, das ein Flugzeugmonteur hier angefangen hatte zu arbeiten, brachte man Verständnis für meine Blödheit auf und brachte mir geduldig vieles bei. Ich spezialisierte mich ziemlich schnell darauf, die durch die Herstellung von Mineralwolle eingesetzten Laufräder, sogenannte Spindeln, ab zuschrauben, Lager wechseln, Dichtungsmanschetten auszuwechseln, Keilriemenscheiben zu erneuern und, ganz wichtig diese ganze Gerät auszuwuchten. Dazu wurde dieses gesamte Teil mittels Kran auf eine Auswuchtvorrichtung gehoben. Auf diese Maschine war man sehr stolz (japanisches Fabrikat und sehr teuer), es wurde dann ein Band auf die Welle geklebt. Auf diesem Band waren weiß-schwarze, kleine Quadrate. Auf diese Quadrate wurde eine blinkende Lampe gerichtet., die dann die Stellen des großen Eisenrades anzeigte, auf die Gegengewichte zu schweißen waren. Ähnlich wie beim Radauswuchten. Dazu mußte aber immer ein Schweißer gerufen werden, der dann diese Gewichte anschweißte. Da die Schweißer aber oftmals wenig Zeit hatten, kam mein Meister auf die Idee, ich könnte doch den Schweißerpass erwerben, um diese Dinger dann selbst anzukleben. Was ich dann auch im Rahmen eines Lehrganges für Elektroschweißen tat. Ich möchte mal an dieser Stelle sehr gern von meiner Zeit in der Werkstatt einiges schreiben. Weil dies für mich heute sehr wichtig ist. Es war eine sehr junge Brigade vom Altersdurchschnitt her. Der älteste Schlosser war kurz vor dem Rentenalter, aber sehr robust und wenn man ihm wegen seines Alters ansprach, zeigte er gern seine Muskeln. Er half mir auch gern, wenn ich mal eine schweres Laufrad nicht abbekam. Er nahm dann sein Riesenfeustel und knallte dann das Rad ab. Er freute sich dabei diebisch, weil er es den jungen Spunden wieder mal gezeigt hatte. Der unmittelbar neben meiner Werkbank arbeitende Kollege war eigentlich der einzig unbeliebte Schlosser der ganzen Werkstatt, aber er war vom Können her der eindeutig Beste. Sein Nachteil war aber, das er dies bei jeder Gelegenheit zeigte. Auch verleitete er gern seinen Kumpel dazu, das dieser aus der Betriebskantine harten Schnaps kaufen ging. Sie verschwanden dann beide gelegentlich in die Werkzeugausgabe, wo sie dann zwischen den vielen Regalen so lange die Bulle ansetzte, bis sie leer war. Ihm machten die Promille Alkohol nicht viel aus aber sein Kumpel bekam dann als sichtbares Zeichen seines Konsums richtige Stieraugen. Wir wußten dann alle, da geht nicht mehr viel und hofften für ihn, das der Meister nichts merkte. Meistens nahmen sie dann noch eine Bulle und nach Feierabend tat uns immer seine Frau leid, die ich dann auch mal kennenlernte und sie bat darum, doch mal ein bisschen mit aufzupassen, das ihr Mann auf Arbeit nichts mehr trinken sollte, er sei schon deshalb krank. Sie weinte dabei und mir war richtig elendig. Aber meinem Schlossernachbarn ging das nichts an. Er verleitete ihn auch weiterhin.Deshalb konnten ihn die meisten nicht leiden.Ich kann sagen, dass ich sehr schnell zu allen Kollegen ein gutes Verhältnis herstellen konnte. Die Brigade hatte im gesamten Betrieb so was wie eine Vorbildrolle, sagte schon der Betriebsleiter bei der Vorbereitung meines Einsatzes. Es war nun mal so üblich zu dieser Zeit, dass es die „Kollektive der sozialistischen Arbeit gab“, das konnte man werden, wenn es zumindest eine Brigadeveranstaltung im Monat gab.,z.B. Kegeln, Radfahren oder als Patenbrigade in Schulen oder Kindergärten gehen, auch Bier trinken in Gemeinschaft gehörte dazu. Ebenso war es notwendig, das alle Mitglied der DSF (Deutsch sowjetischen Freundschaft) waren. Es wurde alles in einen Brigadetagebuch eingetragen.Sogar der Unbeliebte machte mit, obwohl das überhaupt nicht seiner politischen Überzeugung entsprach. Er war nach Ansicht der Stasi, ein Mensch mit einer politisch staatsfeindlichen Einstellung, was nach meinen Erfahrungen mit ihm auch stimmte. Wenn ich mich in der Folgezeit zu den Treffs nach meiner Meinung zur allgemeinen Lage im Betrieb oder Kollektiv äußerte, dann spielte das aber für mich keine Rolle, und meine Treffpartner bohrten auch nicht danach um von mir diesbezügliche Angabe zu erfahren. Sie scherzten lediglich und waren der Meinung, das es neben der Hauptaufgabe, doch auch mal ein Nebenprodukt geben könnte. Also Lagebericht im Kollektiv. Aber ich kann jetzt sagen, dass ich keinen einzigen dazu geschrieben habe.Es gab ja auch wichtigers zu tun.Der Meister dieser Brigade war ein sehr harter Hund. War aber dadurch mit unserem Kollektiv der Beste. Lustig waren immer die einmal wöchentlichen Zeitungsschauen, es war dafür immer ein anderer Kollege an der Reihe, der sich die wichtigsten politischen Ereignisse der Woche vorlesen mußte, worüber dann anschließend diskutiert werden sollte, was aber dann zumeist sehr spärlich war. In der Brigade gab es von den 35 Kollegen ca. 10 Mitglieder der SED. Ebenso viele Kollegen besuchten im Rahmen einer Abendschule und legten die Industriemeisterprüfung ab. Meine Chefs sagten mir aber stets ich sollte keinesfalls in irgendeine Richtung politisch auffallen. Also weder so, noch so. Doch ich mußte auch feststellen, dass es nicht allzuschwer war eine innerbetriebliche gesellschaftliche Karriere zu machen. Trotz meiner Zurückhaltung in der öffentlichen Meinung hinsichtlich aktueller Ereignisse wurde ich von der Gewerkschaftsleitung des Betriebes einmal gefragt, ob ich nicht bereit wäre eine Ausbildung in Richtung Gewerkschaftsfunktionär zu erhalten. Ich habe weiter nichts gemacht wie mich innerhalb der Brigade für außerbetriebliche Aktivitäten zu engagieren. Das heißt z.B. Sport wie Fußball, Kegeln oder auch Luftgewehrschießen zu organisieren, eine Urkunde davon habe ich heute noch ( unter falschen Namen). Wer von diesen 35 Brigademitgliedern IM war bekam ich aber nicht zu erfahren. Ich war mit aber ziemlich sicher, das es welche geben mußte. Na gut, ich wußte schon, wie ich mich zu verhalten hatte.Ohne mich hervorheben zu wollen, aber es gehört nun mal dazu, das zu schildern, waren wir ein engerer Kreis von mehreren Jugendlichen geworden, mit denen ich im Freizeitbereich viel unternommen habe. Dazu gehörten Nachtbarbesuche in Glauchau, vor allem Zwickau , aber auch Karl-Marx-Stadt und auch ausgedehnte Skatspiele in Kneipen über viele Stunden , manchmal von früh 9.00 Uhr bis abends 22.00 Uhr ohne Pause. Das war schon Wahnsinn,dabei spielten wir auch 17 und vier, Poker und was es noch so gab.Mädchen oder Frauen hatte ich auch gelegentlich. Es mangelte mir diesbezüglich an nichts. Manchmal hätte ich fast vergessen können, warum ich eigentlich hier war. Ich wurde respektiert, ich war auch bei einigen der Familien von Kollegen Gast bei Geburtstagen, Gartenfesten und anderes. Ich bewundere heute, wie sich die Arbeiter damals mit den verhältnismäßig niedrigen Löhnen trotzdem für ihre Arbeit engagierten und hohe Qualität lieferten.
Bis auf meinen Werktischnachbarn , konnte ich aus meiner Sicht keine weiteren Personen nennen, der auf die Liste der DDR – feindlichen Personen gehört hätte. Andere meiner Stasikollegen hätten das vielleicht anders gesehen, oder hätten aus anderen Motivationsgründen, aus der einen oder anderen Äußerung evt. Eine OPK (operative Personenkontrolle) gemacht, für mich waren das aber alles Kollegen, von denen es keiner verdient hätte wegen irgendwelcher Äußerungen in unsere Mühle der Bearbeitung zu geraten.Selbst mein sehr DDR feindlicher Nachbarkollege, war eigentlich auch kein Fall, der der DDR hätte gefährlich werden können. Er hat nur immer staatsfeindlich geschimpft,auch gehetzt, wäre aber niemals in der Lage gewesen, Massen zu beeinflussen und zu organisieren. Aber ich konnte mir denken, wenn es einen IM in dieser Brigade gegeben hat, der u.U. Zu dieser Person Berichte geschrieben hat, aber ich nicht, dann hätte mancher MA der Stasie bestimmt abgewogen, warum ich nichts schreibe. Und so entstehen mitunter Vorgänge die wegen einer totalen Fehleinschätzung zu total falschen Schlußfolgerung geführt haben. Und zwar im Kleinen wie auch im Großen
Bis auf meinen Werktischnachbarn , könnte ich aus meiner Sicht keine weiteren Personen nennen, die auf die Liste der DDR – feindlichen Personen gehört hätten. Andere meiner Stasikollegen hätten das vielleicht anders gesehen, oder hätten aus anderen Motivationsgründen, aus der einen oder anderen Äußerung evt. eine OPK (operative Personenkontrolle) gemacht, für mich waren das aber alles Kollegen, von denen es keiner verdient hätte wegen irgendwelcher Äußerungen in unsere Mühle der Bearbeitung zu geraten. Selbst mein sehr DDR feindlicher Nachbarkollege, war eigentlich auch kein Fall, der der DDR hätte gefährlich werden können. Er hat nur immer staatsfeindlich geschimpft,auch gehetzt, wäre aber niemals in der Lage gewesen, Massen zu beeinflussen und zu organisieren. Aber ich konnte mir denken, wenn es einen IM in dieser Brigade gegeben hat, der u.U. Zu dieser Person Berichte geschrieben hat, aber ich nicht, dann hätte mancher MA der Stasie bestimmt abgewogen, warum ich nichts schreibe. Und so entstehen mitunter Vorgänge die wegen einer totalen Fehleinschätzung zu total falschen Schlußfolgerung geführt haben. Und zwar im Kleinen wie auch im Großen.Es gab auch keinen spürbaren Einfluß der wenigen SED Genossen der Brigade. Auch vom Betriebsparteisekretär (BPS) gab es keinerlei Versuche der politischideologischen Arbeit. Doch wenn ich heute die gewerkschaftlichen Aktivitäten des DGB mit dem damaligen FDGB der DDR vergleiche, der immer als unfrei und nicht im Sinne der Arbeiter dargestellt wird, so muß ich heute sagen, dass sich der FDGB bedeutend mehr mit den Interessen der Beschäftigen befasste. Das betrifft natürlich bekanntermaßen nicht das Lohngefüge der DDR, das machen aber auch die heutigen Gewerkschaften nicht für alle Arbeitnehmer. Ausbeutungslöhne, Arbeitnehmerdiskriminierung bei den vielfältigsten Alltagsprobleme kleiner Unternehmen. Aber wie ich mich genau erinnere fühlte sich die Gewerkschaften zuständig für z.B: schmackhaftes Dreischichtbtriebsessen für ca. 80 Pfennige, für kostenlose Milch, für die ( allerdings nicht ausreichenden Urlaubsplätze) für ca. 150 Mark, für Betriebswohnungen, für die kostenlose Betreuung der Kinder in den Ferienlagern, usw. Da fällt mir eine Begebenheit aus meiner Lehrlings zeit ein. Es war üblich das ir auch als Lehrlinge im 3-Schichtsytem des Betriebes mit arbeiten mußten. Anfangs der 60 er Jahre mußten dabei die Schichtarbeiter der Nachtschicht die Strecke vom Wohnort bis zum Betrieb ( ca. 15 km) auf den Sitzbänken eines offenen Lkw zurücklegen. Das war zur Winterszeit nicht mehr zumutbar. Deshalb kündigte der Wortführer der Schichtarbeiter an, dass wir nicht mehr bereit sind unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzten, wenn wir bei Minus 15 Grad mit einem LKW zur Arbeit gefahren werden. Am nächsten Tag kam jedoch wieder der LKW,und wir ließen wissen, das dies das letzte mal war, kommt der am nächsten Tag wieder, fahren wir nicht mehr mit. Also STREIK, das war damals der reinste Wahnsinn. Aber es kam tatsächlich so. Der LKW kam,keiner von uns stieg ein, der LKW fuhr ohne uns zum Betrieb. Wir teilten dem Fahrer mit, dass er dem Schichtmeister sagen soll, dass wir noch zwei Stunden im Abholeort bleiben wollen falls man einen Bus schicken wollte. Der Bus kam natürlich nicht , sondern es erschien eine Delegation des Betriebs bestehend aus dm Parteisekretär, den beiden Meistern und dem stellv. Direktor des Betriebes. Sie machten uns auf Folgen aufmerksam, die auf unangemeldeten Streik (gemeldte Streiks gabs ja auch nicht) unweigerlich für jeden von uns zukommen mußten. Fristlose Kündigungen gabs damals nur für sher schlimme Fälle, wir wurden als Arbeiter gebraucht, das war also nicht zu befürchten. Aber Urlaubsstreichungen, Prämienwegfall und Lohnabzug, das waren die Dinge, die sie uns ankündigten. Doch wir blieben eisern und gingen wieder nach Hause. Also, ein klassischer Streiktag. Für die damaligen DDR Verhältnisse eigentlich ein Vorgang mit möglichen anderen Folgen. Aber es geschah ein Wunder, am nächsten Tag kam ein Bus, der uns und alle anderen nachfolgenden Kollegen ab diesem Tag zur Arbeit brachte.Es gab einen großen Auflauf im Betrieb, es sprach sich schnell herum und es waren eigentlich alle froh, dass diese Aktion keine weiteren Konsequenzen für uns hatte. Auch die o.G. Androhungen gab es nicht. Aber natürlich eine Aussprache mit dem Direktor, der Gewerkschaftsleitung, der Partei und FDJ-Leitung. Sie sprachen von Erpressung und einer Schädigung des guten Rufes des Betriebes. Na gut. Für mich hatte das ganze aber noch eine besondere Überraschung. Als ich meinen Dienst in der bereits genannten Kreisdienststelle antrat, sagte der dortige Stabschef nur so aus Spaß, jetzt wollen wir doch mal in unsere Erfassungsdateien gucken, ob wir nicht etwas zu deiner Person finden. Er zog die entsprechenden Register und hielt dann eine Karte in der Hand, auf der stand, dass ich erfaßt bin. Einmal als Mitarbeiter im MfS, das war ja klar.Aber die andere Erfassungsart,das mußte ein Versehen sein, sagte er , und holte dann die dazugehörige Akte. Sein Gesicht sah dann etwas nachdenklich aus. Er sagte nur noch, mein lieber Man, da hat aber dein Wohngebietsnachbar schlampig gearbeitet. Wir haben ja einen Staatsfeind bei uns eingestellt. Er las dann alles vor ,vom Streiktag im Betrieb, wer wann und wo,wie lange dabei war usw. Ich und alle anderen damals dabei gewesenen Kollegen landeten also als, für staatsfeindliche Aktionen nahestehende Personen in den Karteien der Stasi. In meinem Falle sagte er, dass können wir jetzt löschen lassen. Du stehst ja jetzt hier und das ist Beweis genug für die Änderung deiner Einstellung. Aber eins ist auch Fakt. Bei der Betrachtung meines diesbezüglichen Eintrages in den Unterlagen des MfS klärte sich das ja bekanntermaßen anders. In anderen Fällen blieben solche Unterlagen solange in den Archiven des MfS, bis die Akten wegen des Fehlens, oder Anhäufens weiterer Informationen ( wir sagten dazu: verdichtens)zu diesen Personen nach vielen Jahren aussortiert und vernichtet wurden.Hier müßte ich mal die Bemerkung machen, das es natürlich die hauptsächlichste Aufgabe des MfS war, in erster Linie die DDR beim weiteren Aufbau nach Innen und Außen zu beschützen. Dazu dienten alle Informationen, die nach den Methoden aller Geheimdienste dieser Erde beschafft werden. OB dies von den jeweiligen Verfassungen oder Grundgesetzen geschützt ist oder nicht, spielt in keinem Staat der Welt eine Rolle. In den letzten Jahren meiner Dienstzeit konnte ich die unmittelbare Erfahrung aus eigener Ansicht machen, wie wichtig dieses Sammeln und verdichten ist. Ich sage es auch heute immer wieder: das flächendeckende Überwachungssystem der DDR diente in aller erster Linie dazu, Informationen zu sammeln um jederzeit eine Aussage treffen zu können, wie die Lage im Inneren unseres Landes ist und welche Aktivitäten es von außen gegen uns gibt. Es spielte dabei also in vielen Fällen überhaupt gar keine Rolle, was der Einzelne mitunter in einzelnen Aktionen unternahm. Aber diese Aktivitäten zu diesen Personen wurden gesammelt und durch entsprechende Speicherungsmethoden zusammengeführt um sie für weitere Kombinationen verfügbar zu haben. Erst dann, wenn sich durch die Verdichtung von Hinweisen eine Gefährdung der staatlichen Sicherheit ergab, wurde gehandelt. Das war im Rahmen der gesamten Übersiedlungsproblematik natürlich ein saublödes herangehen und ein absolut sinnloses Unterfangen. Es waren aber in allerersten Linie die bereits Anfangs genannten Vorgaben der Obertrottel usw. Ursache für die totalen Fehleinschätzungen. Wenn ich mir den geisteskranken Auftritt unseres Ministers vor der Volkskammer vergegenwärtige, wird’s mir heute noch schlecht. Diese Lachnummer ist Beweis dafür, was senile oder auch andere Machthaber anrichten können, egal wo. Nie und nimmer hätten wir gedacht, dass wir einen solch schwachen und verblödeten Minister hatten. OK.
Aber jetzt wieder zurück zum Leben in der Brigade meines Einsatzgebietes.
Wie ich jetzt weiß, gibt es diesen Betrieb auch nicht mehr. Seit 17 Jahren ist dort Schluss. Wenn ich daran denke, tun mir die Arbeiter leid, die damals mit großem Interesse ihrer Arbeit nachgegangen sind und die ihrem klasse Kollektiv nachtrauern werden.Mit meinen Auftraggebern gab es eine Vereinbarung, wonach ich einen kleinen Teil meines Stasigehaltes zum Arbeitslohn des Betriebes dazu erhielt.Man war wohl der Meinung, ich könnte Probleme bekommen, wenn ich mit deutlich weniger Geld im Monat auskommen müßte. Der übrigbleibende große Teil meines Gehaltes ging auf ein Extrakonto, welches mir nach Ende meines Auftrages ausgezahlt wurde. Ich war sozusagen Doppelverdiener. Die Chefs sagten dann spaßeshalber, verlängere deinen Auftrag und du wirst immer reicher. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ein paar Informationen geben, wie der zeitliche Rahmen der Aktion gedacht war.
Es war bekannt, dass die Ehefrau des vermutlichen Militärspiones aus dem
Gebiet von Odessa stammte. Das war zu Sowjetzeiten militärisches Sperrgebiet
(Schwarzmeerflotte der sowjetischen Streitkräfte. Da sie noch Verwandte in
diesem Gebiet durfte sie nach Genehmigung dorthin einreisen. Ihr Ehemann
aber nicht. In Abstimmung mit dem KGP ist man zu der Ansicht gekommen,
das sich die Ehefrau des Spiones Aufzeichnungen von den geheimen
militärischen Objekten dort macht, ihren Ehemann gibt, der diese Infos dann
auf noch unbekanntem Wege an westliche Geheimdienste weitergibt. Dazu kam
noch, dass der Spion,der im Ort eine kleine Schuhmacherwerkstatt betrieb, in
regelmäßigen Abständen von sowjetischen Offizieren einer nahegelegenen
Kaserne sowjetischer Streitkräfte besucht wurde. DA der Schuster aufgrund
seiner Herkunft (Siebenbürge) , ebenfalls russisch sprach, war es natürlich für
ihm sehr leicht zu weiteren Informationen zu kommen. Das MfS und auch der
KGP waren sich ganz sicher, dass der Schuster von den Offizieren geheime
Informationen erhielt. Es war nun das logischste Ziel, Beweise für eine
nachrichtendienstliche Tätigkeit des Schusters, dessen Frau in Odessa und den
Offizieren der Kaserne zu sammeln. Für die Beweissammlung war es
unabdingbar, dass in allen Räumen des Wohnhauses Abhörgeräte eingebaut
werden mußten. Desweiteren sollte nach der Reise des Ehepaares in die
Sowjetunion eine konspirative Wohnungsdurchsuchung durchgeführt werden.
Mit diesen Hilfsmitteln erhoffte man sich auch Hinweise auf die
Verbindungswege der Informationsübertragung zu erhalten Sehr brisant war dabei insbesondere der Fakt ( wie man mir sagte), dass eine weitere Tochter
des Spionagepaares mit dem Sohn des damaligen
Bundesverteidigungsministers LEBER verheiratet sein sollte. Da dies ca.
einmal jährlich ihre Eltern besuchte, konnte man annehmen, das sie die
Informationen nach drüben bringt. Das galt es mittels Technik bestätigt zu
bekommen.
Also plante man so: Beginn der Aktion März 1973, Reise der Eheleute in die
SU im Sommer 1973, Planung daraus folgender Maßnamen bis Sommer 1974.
Also ungefähre Dauer des Einsatzes ca. 1, 5 Jahre.
Im Einzelnen hieß das also , die der Urlaubsreise der Beiden nach der
Sowjetunion im Laufe des Jahres abwarten und Auswertung aller anfallenden
Informationen nach Rückkehr durch die Abhörtechnik, Schriftverkehr und
Personenverkehr der Familie, sowie eine evt. Einbeziehung der sowjetischen
Offiziere, ca. ein weiteres Jahr. Doch es kam wieder einmal alles ganz anders.
Nicht immer klappten die Absprachen des MfS mit dem KGP problemlos. Das
zeigte sich ganz besonders in diesem Fall. Wie gedacht reichten die Eheleute
ihren Antrag zur Genehmigung einer Reise in den Raum Odessa ein. Doch
diese wurde aus Sicherheitspolitischen Gründen seitens der SU abgelehnt. Das
bedeutete natürlich für mich, dass sich die ganze Planung auf ein weiteres Jahr
hinausschob. Es gab auf allen Seiten miese Stimmung, brachte mir zwar ein
weiteres Jahr doppelten Gehalt ein, was mir aber wenig Freude machte, denn so
sehr liebte ich diese Tätigkeit als Schlosser auch nicht.
Ich widmete mich also wieder meinem Alltagsleben.Wenn ich heute daran
denke welche Mengen Alkohol ich während dieser fast drei Jahre in mir
reingeschüttet habe frage ich mich gelegentlich, wieso ich noch lebe. Ich mußte
sogar manchmal die Schicht wechseln, weil ich z.B. bei der Frühschicht nicht
aufstehen konnte. Ich war kein Alkoholiker, denn die brauchens, wie ich weiß,
täglich. Ich dagegen konnte tagelang keinen Alkohol mehr sehen, ohne zu
kotzen. Aber dieses Gefühl war bis zum Wochenende vergessen und weiter
gings. Nachdem nun die ersten drei Monate vergangen waren, und es aber die
oben genannte Reiseverweigerung noch nicht gab, drückte man allmählich auf
Tempo um zu erreichen, dass ich mich nun bemühen sollte eine
Wohnmöglichkeit im Hause des Schusters zu erhalten. Das MfS wußte natürlich, das es eine Vereinbarung des Großbetriebes mit dem Schuster gab,
wonach dieser bevorzugt die Arbeitsschuhe der Beschäftigten zur Reparatur
erhielt und im Gegenzug dafür 1,5 Zimmer im Bedarfsfalle für
Betriebsangehörige zur Verfügung stellen sollte. Da diese Räume aber
gegenwärtig schon vermietet waren, mußte ein Weg gefunden werden, wie ich
dort einziehen kann. Ich stellte zunächst im dortigen Rathaus und auch im
Betrieb einen Antrag auf Wohnung. Es war klar ,es gab keinen freien
Wohnraum in diesem Ort. Also mußte das MfS ein Scheitel anlegen. Was sie
auch taten. Dazu mußte also zuerst der von mir benötigte Wohnraum vom
derzeitigen Mieter geräumt werden, welcher zu dieser zeit von einen ca. 35
jährigen Betriebsangehörigen genutzt wurde. Zu diesem Zweck wurde dieser
Kollege zur Kaderleitung bestellt, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er aufgrund
seiner sehr guten Arbeitsergebnisse ein Geldprämie erhält und er in einen
anderen Betriebsteil außerhalb dieses Standortes hier, seine weietre Arbeit
aufnehmen soll und er auch eine Lohnerhöhung erhält. Die Mitarbeiter sagten
mir später, das war wie ein Witz, er hatte selber gestaunt, denn er war kein guter
Arbeiter. Aber es lief so wie gedacht, der an seiner Ehre gekitzelte Arbeiter
wurde zum neuen Arbeitsplatz versetzt, räumte kurz darauf seine zwei
Zimmerchen, die dann zur Verfügung standen. Alle hofften nun, das ich schnell
genug war und als nächster diese Wohnung erhielt. Ich rannte also sofort zu
allen Stellen und konnte beim nächsten Treff mitteilen, dass ich bald einziehen
kann. Das war ein guter Tag und Anlaß meine Beförderung einzureichen. Ich
konnte mir Möbilar bis einer bestimmten preislichen Höhe aussuchen und dann
damit meine Wohnung einrichten. Bescheiden aber ausreichend. Natürlich
wurde ich vom Schuster, seiner Frau, der einen Tochter (die meine Freundin
werden sollte), und deren Freund nach Einzug auch freundlich begrüßt. Der
Schuster war ein sehr hagerer Mann, graues Haar, ca. 65 Jahre alt, etwas
gebeugt, 1,65 m groß. Mir fiel sein stechender Blick auf. Es war unangenehm
in seine Augen zu sehen. Mir kam das alles so normal vor, das ich gar nicht an
meine Aufgabe dachte. Ich hatte eigentlich zu allen dieser Personen in der
Folgezeit ein gutes Verhältnis. Der Schuster sagte mir sogar mal, das er mich
mehr mag, als den derzeitigen Freund seiner Tochter, die zwar nicht hässlich
war, aber auch nicht schön, zumal sie schon wieder zunahm. Die Familie hatte
einen Trabant, der ganze Stolz. Gegenüber meiner Zimmertür befand sich die
Werkstatt des Schusters. Eine Treppe höher gab es die Wohnräume (Küche,Schlafzimmer und Bad ) der Familie und ganz hinten in einem
Dachschrägenraum war mein Minischlafzimmer. Was ich aber selten brauchte
da ich im Wohnzimmer ein Klappsofa zum schlafen nutzte. Ganz oben im
Dachboden gehörte mir noch ein kleine Dachkammer, sowie außerhalb des
Hauses ein Schuppen für Kohlen. So, das war also geschafft. Es gab in der
Folgezeit einige kleinere Partys in meiner Wohnung. Die auch ab und zu vom
Schuster kritisiert wurden , wenns bischen laut war. Er hatte ja Recht. Ich durfte
es ja auch nicht übertreiben, denn das schlimmste wären natürlich Konflikte
gewesen. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das es dem Schuster doch gefiel,
nur nicht seiner Frau und gleich gar nicht seiner Tochter. Was meinen Lebensstil
damals anbelangte konnte ich mich später nie wieder so frei fühlen. Ich sage
das ohne zu jammern, aber so wars nun mal. Trotz aller Einschränkungen in den
Persönlichkeitsrechten ( die ja gut bekannt sind), kann ich aber den ST und RT
sagen ( und das ist die Wahrheit, weil ich es ja erlebt habe)Wer sich auch nur
ein wenig an das System der DDR anpassen konnte und wollte, kam eigentlich
ganz gut zu recht. Ich habe in den bisherigen 20 Jahren Deutschland noch nicht
einmal erlebt ( im Osten), dass die normalen Kneipen, aber auch die Nachtbars
ständig so voll waren wie damals. An vielen Tagen , auch Wochentags mußte
man Plätze vorbestellen, oder am Eingang warten. Das Bier kostete in einer
Kneipe ohne weiße Tischdecken, 40 Pfennige,sonnst 50, ein kleiner Brauner 70
Pfennige, eine Bockwurst 85 Pfennige, ein herrlicher Gulasch 3,50 usw. Das
waren die wesentlichsten Gründe, warum die Kneipen immer voll waren. Aber
auch die Stimmung und gute Laune der Leute damals war eine ganz andere.
Das habe ich nie wieder bis heute erlebt.Also ich will damit auch sagen, dass
ein unterjochtes und geknechtetes Volk, das ständig in Angst vor der Stasi und
unter diktatorischer Bedrohung leben mußte , nicht so froh gelaunt sein
konnte.Die negativen Erscheinungen waren natürlich auch Alltag. Ein wichtiger
Vorteil meines anderen Lebenslaufes und der gefälschten Papiere war, wie sich
allerdings erst später zeigen sollte, das alle gesundheitlichen Ereignisse in den
sogenannten SVK Ausweis eingetragen wurde.Diesen Ausweis hatte jeder
Werktätige und darin wurden neben Medizinische Betreuungsmaßnamen , auch
der Jahresverdienst und die Beschäftigungsverhältnisse während eines gesamten
Lebens eingetragen. Eigentlich eine sehr gutes und praktisches Dokument.
Wurde aber nach der Wende wegen Verfassungsfeindlichkeit abgeschafft.
Wie bereits angedeutet wurde der Schuster ca. einmal im Monat von zwei, manchmal drei, auch mal einem Offizier der Sowjetarmee aufgesucht. Ich hörte dann die lauten Diskussionen aus der Werkstatt. Wie gesagt, alles in Russisch. Sie blieben so ca. 1 bis 2 Stunden,manchmal hatten sie gefüllte Beutel mit.. Ich nahm an Lebensmittel ( Später wußten wir es durch die Wanzen genau, das es welche waren). Der Schuster hatte ein sehr markantes, kantiges Gesicht, auffällig war seine schmale, lange Nase und wie bereits geschrieben, diese eiskalten Blicke, besonders dann, wenn er bei Gesprächen mit mir, ohne mich lang genug , aber vielleicht ausreichend zu kennen, davon sprach, wie herrlich es sein müßte, wenn er Erich Honecker von oben bis unten mit Scheiße einschmieren könnte. Dafür würde er einen Teil seiner Ersparnisse geben. Das sagte er zu einer Zeit, als die Wanzen schon eingebaut waren. Dazu aber später mehr. Die Chefs informierten mich ständig, ich sollte nicht leichtsinnig werden, der Schuster ist raffinierter als er sich gibt. Wir wissen, dass er sich im Betrieb nach deiner Person erkundigt hat, woher ich komme, evt. Freundin, Eltern usw. Also, passe genau auf, was du sagst. Wir wissen noch nicht, welche Rolle die sowjetischen Offiziere dabei spielen.Spiele seine politischen Gedanken mit, ohne groß aufzufallen. Er ist sehr mißtrauisch. Und wenn du dich im Betrieb zu sehr engagierst, könnte er es erfahren. Wir wissen nicht, wer ihm dort informiert. Das kann zufällig sein, aber auch nicht.Diese und andere Informationen bekam ich während meiner konspirativen Treffs einmal im Monat in Zwickau, Glauchau, oder auch Karl-Marx-Stadt. Da man mich bei Laune halten wollte, gab es dabei immer was leckeres zu Essen und paar auserwählte Getränke. Nach ca. 8 Wochen Wohndauer im Objekthaus, war es dann soweit. ES kamen zum Treff alle Chefs, sowie ein weiterer Mitarbeiter, den ich noch nicht kannte, aber bald. Es war der Experte ( einer der besten seines Faches ), der für den kompletten Einbau von Abhörtechnik im Objekthaus verantwortlich gemacht wurde. Ich glaube, wenn der sich nach der Wende richtig verkauft hatte, müßte er ein Vermögen verdient haben. Nachdem ich die Lage aller Räume beschrieben habe wurde festgelegt, das natürlich als erstes die Werkstatt verwanzt werden mußte. Sie lag gegenüber meines Zimmers, als nächstes das Wohnzimmer, es befand sich genau über das Meinige, dann das Schlafzimmer, es lag rechts neben dem Wohnzimmer und genau unter meines Dachbodenraumes. Es wurden solche Details abgesprochen wie, welche Wanzen mit welcher Lebensdauer sollten wohin. Dabei spielte es eine Rolle, wie und wann die Batterien gewechselt werden mußten, die Reichweiten der Sendeleistung, die Empfindlichkeit der Geräuschaufnahme. Am besten waren solche Wanzen, die sich mit einem Stromnetz verbinden ließen, also z.B. in eine Steckdose eingebaut werden konnten. Die brauchten keinen Batteriewechsel. Eine solche sollte ins Schlafzimmer eingebaut werden. Praktischer war die für das Wohnzimmer vorgesehene Wanze, es lag ja oberhalb meines, also eine Wanze mit anderen Eigenschaften, denn hier war ja der Batteriewechsel einfach. Für die Werkstatt konnte eine stärkere genommen werden. Da dort die Möglichkeiten eines Einbaues viel größer waren. Nachdem dies und weiteres dazu besprochen wurde, erfolgte die Erarbeitung eines Einsatzplanes für den Tag des Einbaus. Da diese Aktion mehrere Stunden in Anspruch nahm, wurde eine Maßnahme notwendig, die alle Familienmitglieder zur Sicherheit der Aktion, für mehrere Stunden an geeigneten Stellen zu beschäftigen sind. Dazu eigneten sich am Besten die öffentlichen Ämter. Es wurden also Einladungen an die Familie des Schuster per Post gesendet, wo Termine zur Klärung von Sachverhalten in eigentumsrechtlicher Hinsicht und andere Themen angegeben waren. Ich kann mich noch erinnern, das mich der Schuster in Nähe dieser Termine mal gefragt hatte, ob mir das auch schon mal passiert sei, solch eine komische Aufforderung bekommen zu haben. Ich sagte noch, das dies normal sei. Als eine weitere Maßname zur Absicherung der Aktion diente die Durchführung einer Verkehrskontrolle, die dann notwendig werden mußte, wenn sich die Familie eher als gedacht auf dem Weg nach Hause befindet und wir noch darin mit dem Einbau beschäftigt sind. Nachdem alles besprochen wurde, erfolgte die konkrete Festlegung des Beginns. Der Tag war dann da, der als mein Freund angekündigte MA erschien, als die Familie noch da war, die aber dann kurz danach in Richtung der Behörde wegfuhren. Im Haus waren also nur noch wir. Und der Profi begann sofort mit seiner Arbeit. Mir war richtig mulmig ( neiiiin, ich will kein Mitgefühl, ich schildere nur die Lage, das mich einige lieber hängen sehen würden, ist mir doch klar, ihr scheinheiligen Scheinchristen). Wir begannen mit dem aus Sicht des MfS wichtigstem Einbauort, der Werkstatt. Als sehr bedeutsam für einen erfolgreichen Abschluss diese Einsatzes waren meine Angaben zur Bauweise des Wohnhauses. Denn der Profi mußte ja ungefähr wissen, welches Werkzeug und welche weitere Materialien, auch die Abhörtechnik selbst, er mitbringen mußte. Eine Nachreichung fehlender Mittel war ausgeschlossen. Ein Bauplan des Hauses wäre ideal gewesen, den gab es aber nicht. Der Profi schätzte ein, das dieses sehr alten Haus auch sehr dicke Mauern in der unteren Etage haben müßte. Das bereitete ihm einige Sorgen. Er hoffte, dass der zum Einsatz kommende Spezialbohrer mit einer Länge von ca. 1 Meter ausreichen würde. Denn sonnst müßte er von der Gegenseite ( also aus der Werkstatt) gegen bohren, was einen wesentliche höheren Zeitaufwand bedeutet hätte. Ich erinnere mich noch, wie schrecklich laut die Borgeräusche waren, die bis weite in die Nachbarschaft zu hören waren. Ich bereitete mir für diesen Fall schon ein Erklärung vor, was ich auf diesbezügliche Fragen sagen könnte.
Aber es ging glücklicherweise (für uns) gut. In dieses ca.1 cm dicke Loch
führte dann der Profi das winzige Mikrofon am Spezialkabel soweit ein, das
dieses am anderen Ende den Werkstattinnenraum erreichte. Er verließ sich aber
nicht allein darauf, dass die Länge passte, sondern öffnete mit Spezialwerkzeug
die Werkstatttür, beseitige einige durchs Bohren entstandene Staubspuren und
testete dann die Funktionalität des Gerätes . Auch die Sendekapazität
funktionierte natürlich nur solange, wie es eine Energieversorgung für das Gerät
gab. Deshalb wurde zu einer schwer zugänglichen Stechdose der Werkstatt ein
äußerst dünner Draht mit dem Gerät verbunden. Für Laien absolut nicht zum
erkennen. Aber das beherrschen wirklich nur absolute Profis. Auch die
Sendreichweiten waren natürlich zur damaligen zeit viel geringer. Deshalb
wurde zur Erfassung der Geräusche aus allen abgehörten Räumen in mindestens
einer Entfernung über 500 Meter ein Aufzeichnungsgerät notwendig, welches
natürlich ebenfalls im Bedarfsfalle ständig (auch Tag und Nacht) am Gerät
besetzt sein musste. Was auch in vielen Fällen so war. Diese Mitarbeiter waren
weit aus beschissener dran als ich. Der eine Raum war also geschafft. Jetzt
befassten wir uns mit dem über meinen Zimmer liegenden Wohnzimmer der
Familie.Der Profi verschaffte sich dafür erst einmal Zugang zum Wohnzimmer
der Familie um die beste Lage für eine Durchbohrung der Decke meines
Zimmers zu finden
Dieser Einbau war verhältnismäßig einfach. Der Profi entfernte ein Teil des
Deckenputzes im hinteren , linken Bereich meines Zimmers, bis man die
Dielungsbretter sehen konnte. Mit einen kleinen Holzbohrer setzte er ein
kleines Loch und schob auch hier ein winziges Mikrofon bis auf Höhe des
darüber befindlichen Linoleums und genau unter den Schrank der obigen
Wohnung. Auch hier war die Funktionalität in Ordnung Die Anbringung der daür notwendigen Batterien war einfach. Es diente dazu eine handelsübliche
Grubenlampe in deren Inneres alle Batterien platz fanden. Diese gehörte dann
zum Inventar meiner Wohnung und sah ja auch gut aus. Zwischenzeitlich
erhielten wir immer wieder Anfragen per Funk , wie weit wir sind. Der Profi
war der Meinung, das wir noch ca. 2 Stunden für den letzten Einbau im
Schlafzimmer benötigten. Dies sei unmöglich, wurde uns gesagt, solange könne
man die Familie nicht mehr beschäftigen, sie seien schon auf dem Weg zum
Haus und würden in ca. 30 Minuten hier eintreffen. wir sollten. Der Profi
forderte zur Sicherheit den Einsatz der vorbereiteten Verkehrskontrolle, da er
unbedingt noch einmal in allen Räumen nach eventuellen Spuren suchen muß.
Also wurde ca. 3 km vom Wohnort entfernt die Kontrolle durchgeführt.
Natürlich von MfS Mitarbeitern in grünen Polizeiuniformen. So, jetzt mußten
wir aber unsere Arbeiten beenden,es blieben nur noch wenige Minuten. Ich ging
auf die Strasse und sah sie dann auch kommen. Es war klar, das wir den noch
verbleibenden Einbau an einen anderen Tag machen mußten. Es war aber auch
klar, das es keinen ähnlichen Grund mehr geben konnte, die Familie
irgendwohin zu bestellen.Sollte es gar nicht mehr machbar sein,auch dieses
Zimmer zu verwanzen, befürchtete man eigentlich keinen großen
Informationsverlust, denn im Schlafzimmer fallen andere Entscheidungen.
Doch besser ist , auch dort was einzubauen,man kann ja nie
wissen.Problematisch sei das nicht, denn das Schlafzimmer des Familie lag
unter meiner Dachkammer und da könne man ja bequem von oben durch die
Decke mit einem Handleierbohrer nehmen, der keine Geräusche macht beim
Durchbohren. Allerdings muß abgesichert sein, das er sich der Profi wenigsten
einmal Zugang zum Zimmer verschaffen muss , um zu prüfen, das an der Decke
nichts zu sehen ist. Das konnte also ein Problem werden. Aber durch die bereits
jetzt funktionierende Technik in zwei Räumen erhoffte man sich, Hinweise zu
bekommen, wann das Ehepaar wenigstens einmal eine gemeinsame
Einkaufsfahrt mit ihren Trabi machen würden. Aber da waren immer noch die
jungen Leute. Und auf einen solchen Zufall,dass auch sie am gleichen Tag
unterwegs sein würden, wollten wir uns alle nicht verlassen. Aber wenigstens
die Eltern, die mußten abwesend sein. Und ein solcher Tag kam natürlich auch,
aber es vergingen wieder einige Wochen. Über die Wohnzimmertechnik wurde
also bekannt, das das Ehepaar, zwei Tage später nach Chemnitz einkaufen
fahren wollten. Wie lang ein solcher Einkauf genau dauern konnte wusste natürlich niemand, aber ausreichend für einen kleinen Eingriff vom Fußboden
meines Dachbodens war das auf jedem Fall. Nur die unbedingt notwendige
Kontrolle, ob der Einbau auch keine Spuren hinterlassen hatte, war kompliziert
wenn sich die jungen Leute in den Räumen aufhielten. Also mußte ich mir was
einfallen lassen, wie man sie für kurze Zeit nach außerhalb des Hauses locken
konnte. Ich besorgte mir also für diesen Fall ein paar Gartenpflanzen für deren
kleinen Hausgarten,die ich dann an den, von den jungen Leuten gezeigtem Platz
einpflanzen wollte, unter deren Aufsicht natürlich. Das war ein guter Plan, wie
sich später zeigen sollte. Das Ehepaar fuhr also weg, der Profi war rechtzeitig
da, und er hatte alles notwendige mit. Wir gingen in mein Dachbodenzimmer.
Dort löste er einige Dielenbretter, entfernte einiges Füllmaterial bis die
Verschalung des darunterliegenden Zimmers zu sehen war. Jetzt setzte er die
Handleier an und bohrte ein kleines Loch bis zum Deckendurchbruch. Die
jungen Leute waren während dieser Zeit unten in Nähe dieses Zimmers. Der
Profi hoffte nur, das sich nicht mehr Material als notwendig von der Decke
lösen sollte. Doch der Profi stellte unter Fluchen fest, dass sich doch eine kleine
Putzfläche gelöst haben mußte. Er wusste durch eine vorherige Begehung des
Zimmers am Tag des ersten Einbaues, wo er bohren wollte, nämlich unmittelbar
neben der Deckenlampe. Das Minilöchlein an der Decke war nicht das Problem,
auch das bisschen Putz nicht, denn wer kennt schon ganz genau jeden
Zentimeter seiner Decke und weiß ganz genau, dass ca. 2 cm/ q Putz fehlen.
Aber gefährlich kanns werden wenn diese Putzteilchen z.B. sichtbar auf das
darunter befindliche Mobiliar fallen. Dann führt unwillkürlich der Blick nach
oben und das könnte gefährlich werden. Also mußte ich mit der gedachten
Variante der Pflanzen, die ich gekauft hatte wirksam werden. Und das klappte
dann auch. Ich ging mit den jungen Leuten nach draußen und der Profi betrat
während diese Zeit das Schlafzimmer, nahm den runter gefallenen Putz und
klebte diesen wieder an die Decke. Er sagte mir dann danach, das das unbedingt
notwendig war, denn es lag einiger Putz sehr sichtbar in einem Sessel neben
dem Bett. Platz für die notwendigen Betriebsbatterien war unter den Dielen
meines Zimmers reichlich vorhanden und der Wechsel ( einmal vierteljährlich)
war ebenfalls kein Problem. Der Wanzenfunktionstest verlief auch positiv und
somit konnte sich der Profi nach ca. drei Stunden zufrieden verabschieden und
das letzte in frage kommende Zimmer der Familie war abhörbereit. Die Tochter
und deren Freund spielten dabei keine Rolle. Ich komme jetzt zu einer Sache im Zusammenhang mit der Abhörtechnik, die trotz aller Raffinesse der
Einbauexperten doch einige Risiken hatten aber nur konnten Schwachstellen
dieser Technik erkennen, denen bewußt war, das bei ihnen was eingebaut war.
Denn eine weitere bevorzugte Stelle für das anbringen von Wanzen boten
Möbelstücke wie Stühle, Bänke Regale oder Sessel und Tische . Denn wer
würde schon eine kleine am Tisch angebrachte zusätzliche Leiste beachten in
der sich eine Wanze befindet, die an einer anderen Latte oder Leiste des
Möbelteiles angeschraubt wurde. Die Erfahrungen zeigen es eindeutig –
niemand.Und kein Mensch würde jemals zufällig unter seinen Schrank sehen
und dann dieses winzige Stecknadelgroße Löchlein sehen, aus der ein
Minimikrofon zu sehen sein könnte - niemand. Es gibt eine Vielzahl weiterer
Beispiele. Aber bei mir lag der Fall bei zwei Geschehnissen total anders: mir ist
es natürlich sofort aufgefallen (weil ich wußte, das es in den umgebenden
Räumen Wanzen gab)für die Personen, die nichts ahnten, war das natürlich
nicht so. Ich hatte für die damalige Zeit einen sehr modernen Kassettenrekorder
der Marke „Grown“ aus Japan. Ganz normal in Karl-Marx-Stadt gekauft. Am
Einsatzort wollte ich nun eines Abends, meine geliebte Freundin war gerade da,
einen speziellen Westsender (NDR) über UKW suchen. Also mußte man dabei
ganz vorsichtig die Frequenzen abtasten, um den Sender zu bekommen. Und
dabei machte ich eine Feststellung bei der mirs kalt und heiß wurde. Ich traute
meinen Ohren nicht. An einer Stelle hörte ich Gesprächsfetzen, die nun gar
nichts mit einen Sender zu tun hatten, denn ich erkannte zu meinem Entsetzten
die Stimmen meiner oben wohnenden Hausnachbarn, deutlich und klar. Meine
Freundin merkte natürlich nichts. (Das gleiche Prinzip: wer mit einer
bestimmten Situation nicht rechnet für den schaltet sich sein Bewußtsein zum
Erkennen eines solchen Geschehens auch nicht ein) Kritisch wird es nur dann,
wenn jemand wie ich von der Existenz solcher Wanzen weiß und zufällig auf
Auswirkungen solcher Technik stoßen kann.Weitaus gefährlicher wurde es
jedoch für mich, als eines Tages mein Fernsehapparat, kaputt ging und das
ausgerechnet zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer 1974. Der Schuster und
alle, die mich kannten wußten von meiner starken Leidenschaft für diesen
Wettbewerb. Ich war tot unglücklich und das merkte auch der Schuster, er bot
mir deshalb an, das ich vorläufig ein nicht mehr von ihm genutztes Gerät
erhalten könnte. Wir holten es vom Boden und alle (Ehefrau, Tochter und deren
Freund) waren im Zimmer bei mir, um das bald erscheinende Fernsehbild zu begutachten. Doch da geschah etwas, wo mir bald der Puls aussetzte. Die Frau
des Schusters und deren Tochter standen in Türnähe und damit auch nicht weit
weg von der Wanze der Werkstatt. Und eigenartiger Weise wurden die
Sprachgeräusche der beiden Personen auf die Elektronik des Fernsehers
übertragen und ich konnte diese Stimmen aus dem Lautsprecher des Fernsehers
hören. Das ist kein Witz. Bei einer späteren Auswertung dieser für mich
gefährlichen Situation sprachen die Experten davon, das dies durchaus möglich
sein konnte.
Und, wie bereits beschrieben, registrieren ja bewiesenermaßen nur die Bewusstseine der Personen solche Ereignisse, die in diesem Fall vom bestehenden Einbau von Geräuschtechnik wissen. Das habe ich aber auch erst später gelernt, das dies eine Frage der Psychologie und der heutigen modernen Wissenschaft ist.
Meine Reaktion war also, dass ich mit dem Fuß den Stecker aus der Dose gezogen habe, woraufhin natürlich der Apparat sofort ausging und ich argumentierte, das das Gerät auch defekt sei . Also schafften wir es wieder weg. Aber um die Fußball WM zu retten, besorgte ich mir ein anderes Gerät.
Mein „Marktwert“ innerhalb der Stasi stieg durch diese Aktionen und ich erhielt in gewissen Abständen auch mal eine kleinere Geldprämie und wurde, wie üblich, zu bestimmten Anlässen, wie Jahrestag der Gründung der DDR oder der Gründung des MfS auch befördert. So war ich Mitte der 70 er Jahre bereits Oberleutnant.Was also meine Erfolge waren, waren es aus heutiger Sicht, leider die schrittweise Aufdeckung der Spionagetätigkeit der Schusterfamilie. Das „leider“ schreibe ich nicht deshalb, das man eine Spionagetätigkeit dann als positiv bewerten muss, wenn man sich selbst rein waschen will. Das ist Käse, denn Spionagetätigkeit gegen einen unbestreitbar selbständigen Staat DDR, war es damals und ist es natürlich auch bis jetzt überall in der Welt eine Straftat geblieben.
Ich habe auch bis heute nicht die geringste Ahnung, wie es der Familie später
ergangen ist. Die einzigste Mitteilung , die ich danach erhielt ,waren
Informationen, wonach der Schuster, nach seiner vorläufigen Festnahme an
einem Tag im Sommer den Vernehmern natürlich nicht sofort alles im ersten
Verhör gestand und umfangreich über seine Tätigkeit berichtete, sondern erst Umstände eintreten mußten die ihm veranlaßten, seine Lage zu verbessern. Es
war bekannt, dass er zu dieser Zeit an Magenprobleme litt, als die Vernehmer
daraufhinwiesen, dass dies unter Haftbedingungen bestimmt nicht günstig
sei,bekam er die Angst, die ihm alles gestehen ließ. Nach Angabe der
Mitarbeiter und der Chefs von damals war die gesamte Aktion ein (natürlich aus
unser Sicht) großer Erfolg. Der Schuster war bereit, das MfS bei der weiteren
Aufklärung dieser und evt. weiterer Spionagevorgänge zu unterstützen,
woraufhin er nicht angeklagt wurde und nichts vom MfS zu befürchten hatte.
Ob und wie weit das zutraf, kann ich nicht wissen.
Ich glaube hierher passt bei dieser Gelegenheit eine auch aus heutiger Sicht die
für mich eindeutige Straftat des heute so tapferen und mutigen Volkshelden, des
damaligen Panzersprengers von Karl-Marx-Stadt, den sogenannten
Freiheitshelden „Kneifel“. Ich kann mich noch gut daran erinnern, da ich zu
dieser Zeit in einer Gruppe des MfS tätig war, die sozusagen in der
Konspirativität tätig war, um diesen Täter zu finden. Wenn man heute der
Meinung ist,man müsse einen Helden feiern, ok, dann muß man aber auch
bereit sein, die heutigen Terroristen und die damalige RAF zu feiern. Ist diese
meine Einstellung geisteskrank, von mir aus , aber ich bin es mit Sicherheit
nicht: WARUM. Man muß bei der Beurteilung und Bewertung eines
historischen Sachverhaltes ( wenn man ehrlich sein will) immer beide Seite
der gleichen Medaille betrachten ( wie alles).Ohne Kenntnis aller Detaillees
lässt es sich leicht labbern. Man sollte also alle Protokolle z.B. die der
Verhandlungen vor Gericht lesen. Insbesondere auch die der Ermittlungen, die
gemachten Fotos vom Tatort, die Aussagen der Anwohner, die Fotos von den
gefährlichen Einschlägen von Metallsplittern in Wohnräume , wobei nur durch
Glück schlimmeres verhindert wurde. Man sollte auch lesen, was der Held
weiter mit den bei Durchsuchungen seines Anwesens festgestellten Mengen an
Spreng- und Brandmitteln vorhatte. Wie er Z.B in den Gepäckcontainern des
zentralen Busbahnhofes in Karl-Marx-Stadt eine Bombe installieren wollte, die
an einen Staatlichen Feiertag explodieren sollte um, wie er sagte, „ein Blutbad“
anzurichten. Aber einem Freiheitshelden muß man da schon zugestehen, das
sich Opfer im Freiheitskampf nicht vermeiden lassen.Oder????? Übrigens war
Kneifel streng gläubiger Herkunft. Dieser Kneifel wurde 1980 gefaßt und dann
zu 25 Jahre Haft verurteilt und 1978 von der BRD, wie es sich für einen
richtigen Helden gehört.
Heute macht sich dieser Held über sein Befreiungsland lustig und gehört einer
rechtsextremen Gruppierung an, sozusagen ein kleines Dankeschön an die
BRD.Man sollte dazu mal das aktuelle Gedankengut dieses Herren lesen, da
müßten doch eigentlich die SU und RT rot vor Scham werden. Aber warum
denn auch, wir haben jetzt unsere meist gut bezahlten Posten und was geht uns
darum das Elend anderer Menschen an.
Also, ihr SU und RT von heute, alles lesen und veröffentlichen, aber das glaube ich eher nicht. Paßt nicht so gut. Na klar, paar Dinge von den Stasiverbrechern zu veröffentlichen wie ein 18 jähriger IM der Stasi oder die immer noch tätigen Stasiverbrecher in der Gauckbehörde, ohne denen die RT und SU nix gefunden hätten und gleich gar keine Übersicht erhalten hätten, also den Erfassern (Harmlose Angestellte des MfS), machen sich da schon besser. Lächerlich, nachdem diese Leute von den SU und RT bis heute nützlich waren, werden sie heute plötzlich zur Last. Ebenso wie die anderen Köche, Kraftfahrer,Verkäuferinnen und Andere des MfS ,zu gefährlichen Menschen wurden. So viele Tränen haben diese Freiheitskämpfer nicht vergossen als die blutbesudelten Nazis führende Ämter der BRD und hohe Pensionen im Nachkriegsdeutschland erhielten.
So, und nun weiter zu den Ereignissen meines Einsatzes. Nachdem nun die wesentlichsten Räume verwanzt waren häuften sich natürlich die Informationen, was die Familie plante und wann die Reise in die SU stattfinden sollte. Denn davon hing ja die Dauer meines Einsatzes ab.1973 ging natürlich nichts mehr. Da war klar, das es mit einem Einsatz von einem Jahr nichts wurde. Also, mindestens zwei Jahre.Es gab keinen anderen Weg, da mußte ich durch. Es waren nicht nur die Einsatzprobleme, die mich allein belasteten. Man könnte ja sagen, was hast du denn,die anderen deiner Brigade müssen ja auch arbeiten gehen und das für weniger Geld ( denn mein Konto wuchs ja mit jedem Einsatzmonat um ca, 1000 Mark). Aber die hatten auch alle Familie und wußten, das sie diese Tätigkeit auf unabsehbare Zeit ausüben mußten. Dazu kam noch, dass ich neben anderen Mädchen eines Tages ein ganz besonderes Mädchen kennenlernte, woraus dann eine Liebe ohne Zukunft entstand. Denn ihr familiäres Umfeld entsprach in keinster Weise, das einer gedachten sozialistischen Familie. Ihre fünf Brüder waren stadtbekannte Schläger und Randalierer, aber zwei weitere Schwestern waren, wie Meine, sehr hübsch und klasse gebaut. Eins musste ich aber in der Kennlernphase durch sie über mich ergehen lassen und das war nicht fein. Ich merkte eines Tages, das mit meinem Schniedel etwas nicht mehr i.O. War. Denn es brannte beim Pinkeln jeden Tag etwas mehr in der Harnröhre. Das wurde dann so stark, das ich zum Arzt gehen mußte, der natürlich auch feststellte, dass ich Tripper hatte. Sehr peinlich, aber nicht zu ändern. Wie sich aber später zeigte, war es von Vorteil, einen SVK Ausweis auf anderen Namen zu haben, denn diese Krankheit hatte Da ich währen dieser zeit aber noch eine andre Bekanntschaft hatte, wurde auch diese angesteckt. Beim Arzt muß man bei einer solchen Krankheit, unter Androhung von Strafe bei einer Verweigerung, alle Personen der letzten Wochen benennen, mit denen man Verkehr hatte. Und somit handelte ich mir viel Ärger von der ein, von der ich den Tripper nicht hatte. Das war aber leider nicht die Hübschere. Na gut, das ging ja wieder vorüber, war sozusagen der Preis dafür, das ich ein solch hübsches Mädchen mit allerdings asozialer Familie hatte. Meine Kollegen der Brigade warnten mich, lass die weg, mit der hast du kein Glück, das ist eine Nutte usw. Ihre Brüder werden dich verdreschen. Was auch fast geschehen wäre. Ich lernte ihre Eltern kennen. Der Vater sah ganz ok aus, der Mutter sah man aber das asoziale an. Auch die Wohnung, was solls ich hatte ja meine. Sie allerdings auch, die war aber eigentlich ganz sauber. Problematisch war noch, das sie einen kleinen Jungen hatte, den allerdings meistens die Eltern beaufsichtigten. Wäre auch nicht mein Ding gewesen. Absolut erstaunt war ich bei einem Besuch der Eltern , als ich einem Regal alle Karl Marx- und auch einige Leninbände sah. Als ich darin blätterte, stellte ich auch Unterstreichungen und Randnotizen fest, die auf ein Studium dieser Bücher hindeuteten, was der Vater auch bestätigte. Er war nicht Mitglied einer Partei.
Ich mußte trotz aller Freiheiten die ich hatte ( gegenüber die eines MA des MfS
gesehen) immer vorsichtig sein, denn wir waren uns alle sicher, dass der
Schuster mir nicht vollstens vertraute und immer bestrebt sein würde zu wissen,
was ich so täglich mache. Es wurde bekannt, dass er sich bei verschiedenen
Kollegen des Betriebes nach mir erkundigte. Ich war ja auch des öfteren in
seiner Werkstatt, natürlich mit dem Wissen, das alles aufgezeichnet wurde,was
auch ich sagte. Mir war klar, das auch all das zu meiner Person unter den
Familienmitgliedern zur Sprache kam, und damit dem MfS bekannt wurde.
Während einer Unterhaltung des Ehepaares legten diese fest, das sie im Monat Juli nach Odessa reisen wollten. Sie benötigten dazu wie üblich, das
Einreisevisum, was die Ehefrau diesmal auch erhielt, der Ehemann blieb bei
anderen Verwandten während dieser Zeit außerhalb von Odessa..Um diesen
Reisetermin in Erfahrung zu bringen hätte man keine Wanzen einbauen müssen,
denn das erzählte mir der Schuster selber, auch wenn es los gehen sollte. Es
dauerte auch nicht sehr lang, bis sie die Reiseerlaubnis erhielten. Diesmal
klappte die Abstimmung mit dem KGB. Geplant waren 4 Wochen. Aber die
jungen Leute blieben während dieser Zeit zu Hause. In den folgenden Wochen
bis zur Rückkehr der Eheleute wechselte ich die Wanzenbatterien selbst. Denn
es mußte alles funktionieren, wenn der Schuster zurückkam. Mit dem KGB
wurde vereinbart, das es keinerlei intensive Zollkontrollen beim Pärchen geben
sollte. Nach ihrer Rückkehr begrüßten sie mich ehrlich erfreut, auch das sie
wieder zu Hause waren. Gleichzeitig teilten sie mir mit, was für mich wie eine
Sensation klang, das eine weitere Tochter von ihnen in nächster Zeit auf
Besuchsreise aus der BRD kommen würde. Das war natürlich nicht nur mir
bekannt. Das wußten meine Chefs schon eher als ich. Durch andere Quellen.
Was das eigentlich sensationelle für mich war, war die Information, das diese
Tochter des Schuster mit einem SOHN des damaligen Verteidigungsministers
der BRD,
HERRN LEBER, verheiratet sein sollte. Um dies zu prüfen ob das
stimmte, müsste ich heute meine Spezialakte anfordern, die aber
höchstwahrscheinlich nur Eingeweihte auffinden könnten. Also ich meine die,
die heutigen Blödiane aus der Gauckbehörte entlassen wollen. Aber es gab
keinen Grund es damals nicht zu glauben. Ich mußte es mir aber ständig
verkneifen den Schuster direkt danach zu fragen. Ich überlegte mir alles
möglich, wie er es mir sagen könnte, aber er tat es einfach nicht. Um nicht
verdächtigt zu werden gab ich dann auf. Aber eines Tages war es dann soweit.
Der Schuster sagte, dass sie heute kommt. Natürlich freuten sich beide sehr.
Seitens des MfS und auch KGB wurde aber nicht angenommen, das die
Schwiegertochter des Verteidigungsministers von westlichen Geheimdiensten
als Kurier für Spionagematerial genutzt werden sollte, das wäre zu riskant und
auch zu offensichtlich für jede Abwehr gewesen. Aber interessant war dieser
Besuch auf jedem Fall. Ich hatte sie mir eigentlich hübscher vorgestellt. Sie
kam auch sogar mal für ca. 1 Stunde in mein Zimmer. Wenn ichs mir heute so
überlege, mit wem ich da zusammen war. Das war schon was. Diese Tochter
blieb ca. 10 Tage, wohin sie dann noch reiste kann ich nicht sagen, durchsucht nach irgendwelchen Unterlagen wurde sie bei der Grenzpassage nach der BRD
nicht, wie man mir sagte. Wir das Jahr 1974, das Jahr also, in dem die Reise des
Paares in die Ukraine stattfand. Wir erhielten mittels Technik nach
Reiserückkehr auch die ersten wichtigen Informationen darüber, was sich die
Ehefrau des Schusters während ihres Aufenthaltes in Odessa von den dortigen
militärischen Objekten eingeprägt hatte. Es war bekannt, das es jedem
bedeutenden Agenten, gleich welcher Art, untersagt wurde, schriftliche
Aufzeichnungen zu machen. Trotz dieser wichtigen Agentenanleitung wurde
eine konspirative Wohnungsdurchsuchung der Familie angestrebt und dann
auch vorbereitet. Und wieder wurde eine Kombination notwendig um das
Pärchen von ihrer Wohnung wegzuführen. Als günstigster Termin kam in
Betracht, als die jungen Leute die Absicht hatten 2 Wochen in den Urlaub zu
fahren. Nun mußte es unbedingt gelingen, auch die Alten während dieser aus
ihrer Wohnung zu bringen. Mir ist bis heute nicht klar geworden, woher die
Chefs den IM genommen hatten, der genau für diesen Zeitraum diese Beiden
für ein Wochenende nach Leipzig eingeladen hatten. Na klar ich mußte ja
sowieso nicht alles wissen, in unserem Geschäft gleich gar nicht, aber gewußt
hätte ich es schon gerne. Heute könnte ich es in Erfahrung bringen. Aber wie
gesagt, wenn die 40 verbliebenen , ehemaligen MfS Experten nicht mehr da
sein sollten, werde ich das nie und nimmer bekommen. Weil es die Nachfolger
dieser Spezialisten, die ja als Statistiker des MfS auch Verbrecher (wie witzig)
niemals finden würden.
Jedenfalls kam es dann dazu. Die Jungen fuhren auf Urlaub und die Alten
teilten mir sehr freudig mit, dass sie für 3 Tage nach Leipzig fahren würden.
Und obwohl sie eingeladen waren, wurden meine ehemaligen
Beobachterkollegen damit beauftragt, zur Absicherung der
Durchsuchungsmaßname, das Ehepaar unter ständiger Kontrolle zu halten. Es
stand zu viel auf dem Spiel. Und an einem dieser die Tage rückten dann zwei
der Durchsuchungsspezialisten an. Zu meiner Freude kannte ich alle Beide sehr
gut. Es war zur besseren Legendierung ein Pärchen ( wie im wahren Leben, da
waren sie auch miteinander verheiratet) für diesen Einsatz vorgesehen. Man
sollte sich eine solche Durchsuchung nicht so vorstellen, wie man sie in Filmen
zu sehen bekommt. Also zuerst wird ein Stativ aufgebaut, an diesem Stativ
hängt oben eine Fotokamera und darunter eine Auflageplatte. Während der eine
MA nach kopierbarem, interessanten Material wie Briefe, Dokumente, Notizen , besondere Gegenstände, evt. Filmrollen usw. sucht, macht der andere
MA mit der Technik die entsprechenden Aufnahmen. Es ist dabei von größter
Wichtigkeit, das die entsprechenden Räumlichkeiten vor deren Betreten nach
eventuellen Fallen für unerwünschte Besucher abgesucht werden. Es ist schon
vorgekommen, dass gut ausgebildete Agenten, noch vor dem Verlassen der
Wohnung einen fast nicht sichtbaren Faden zwischen den Türrahmen gelegt
haben. Beliebte Mittel sind auch das Ausstreuen eines hauchdünnen
Pulverfilmes auf dem Fußboden und andere Fallen. Das trifft auch auf das
öffnen von Schränken, Kisten und andere Behältnisse zu. Es war auch absolut
wichtig und auch logisch, das sich ein Durchsucher fast fotografisch die
vormalige Lage aller wegzuräumenden Gegenstände einprägen mußte. Auch
hier gibt es große Möglichkeiten der Spurenlegung.Auf diese Weise konnten
sich schon sehr oft Agenten selbst absichern und waren gewarnt. Also mußten
wirklich nur die Besten für solche Aufgaben eingesetzt werden. Beim Schuster
konnten bei dieser Durchsuchung ein paar wenige interessante Dinge gefunden
werden. Welche, wurde mir nicht gesagt, um, wie es hieß, mich nicht zu
belasten. Na gut, was solls. Die ganze Durchsuchung dauerte ca. 3
nervenaufreibende Stunden. Die Beiden gingen wieder und ich hoffte, das sie
ihre Arbeit der sehr gut gemacht hatten, was das Hinterlassen von Spuren
betrifft. Denn was würde passieren, wenn der Schuster welche gelegt hat und
sie dann findet. Ich wäre sofort dran gewesen. Also wartete ich mit Spannung
auf die Reaktionen der Familie, nach deren Rückkehr ins Wohnhaus. Die beiden
MA waren wirklich gut, es ging alles gut. Danach vergingen wieder Wochen
und Monate der Auswertung aller Daten, auch die der Abhörmaßnamen. Ich sah
immer sehnsüchtiger auf einen etwaigen Hinweis am vereinbarten Lichtmast
und zwar täglich auf den Hin und Rückweg zur Arbeit. Bei den regelmäßigen
Treffs bestätigte man mir immer wieder mein sehr aufmerksam verfolgte
ausgezeichnete Arbeit. Man gab mir gelegentlich einige Verhaltensrichtlinien
mit, wenn das sich aus den mitgehörten Äußerungen der Familie ergab. Um
mich bei Laune zu halten wurden für mich zu Staatsfeiertagen oder Jahrestag
des MfS geeignete Tage organisiert, an denen ich gemeinsam mit einen MA der
KD, dem KD Chef ( was damals schon eine Ehre war). Oder einen anderen
höheren Dienstgrad in Hotels gefahren wurde, wo wir dann zum Beispiel eine
Nachtbar aufsuchten. Natürlich auf Staatskosten ( wie das eben echte
Verbrecher so machen, auch die heutigen?)Ein Mädchen mußte ich aber selbst finden. Da ich während dieser gesamten Einsatzdauer keinerlei Kontakt zu
meinen echten Familienangehörigen, wie meinen zwei Brüder und meine Eltern
haben durfte, erhielt ich sozusagen als Ausgleich einen kleinen Urlaubsplatz in
der Sächsischen Schweiz, in einem Heim des MfS und auch in einem
Ferienheim des FDGB in Rehefeld, sowie Schellerhau. Dort lernte ich eine
hübsche Köchin kennen, die was fürs Leben hätte sein können. Na gut es kam
wieder mal anders . Der sogenannte Freie Wille war wieder mal hinfällig.Ich
lernte während meiner Einsatzzeit auch hochkarätige, konspirative Villen
kennen, die wie schon einmal erwähnt nur für ausländische Kontaktpersonen
aller Art, vorgesehen waren. Das erkannte man sofort am Inventar, an den
vorhandenen Musikkassetten, der dazu gehörenden Technik, dem
Hausbetreuungspersonal ,den gepflegten Außenanlagen und den
hervorragenden Speisen. Und so verging das Jahr 1974, ohne das irgendwas
was auf ein Ende der Maßnahme hinwies. Das Verhältnis zu meiner Freundin
festigte sich, ohne das ich wusste, wie das enden würde. Eine gemeinsame
Zukunft hatten wir nicht, das wurde mir schon mitgeteilt. Sie, beziehungsweise
ihre Brüder und die Eltern paßten nicht zum MfS. Mir war klar, das der einmal
kommende Abschied sehr schmerzlich werden würde. So gesehen, hätte der
Einsatz noch lange gehen können. Mir wurde immer wieder gesagt, das sich aus
dem abgehörten Daten eine Menge Hinweise ergeben haben, die auf einen
Agentenring über Leipzig, der Insel Rügen (Bergen ) und von den dortigen
Personen zum BND oder auch zum CIA hinwiesen. Also, es ist bald soweit ,
das man zugreifen kann. Das war bereits im Sommer 1975. Dann war es soweit,
am Vortage der vorläufigen Festnahme des Schusters, wurde ich noch über dem
Zeitpunkt informiert und ich sollte es mit meiner Arbeitszeit so einrichten, dass
ich im Haus sein sollte, um eventuelle Reaktionen der Familie des Schusters zu
erkennen ( neben der Technik). Gegen 8.00 Uhr fuhr ein PKW Wartburg vor,
zwei mir bekannte, extra dafür vorgesehene Festnehmer gingen ins Haus zum
oberen Stockwerk, klopften an. Ich hörte nur ein paar Stimmen und dann den
Aufschrei der Ehefrau des Schusters. Wenig später ( 30 Minuten) erschienen die
Festnehmer mit dem Schuster in der Mitte vorm Haus, sie gingen zum
Fahrzeug, in dem weitere zwei MA saßen, zu denen sich dann der Schuster
setzten mußte. Als er an mir vorbei ging , sagte er noch, mein Gott, was soll das
werden. Die Ehefrau des Schusters tat mir sehr leid. Aber andererseits muß man
auch sagen, das Paar wußte Bescheid, dass sie was verbotenes machten. Sie mußten damit rechnen ( und das taten sie bestimmt), das sie eines Tages mal
gefasst werden konnten. Und Militärspione und andere Spione der
Ostblockstaaten wurden auch im Westen gefaßt und dann eingesperrt. Aber
wenn es dann soweit ist, ist der Moment schlimm. Der Schuster hatte nur
wenige persönliche Sachen bei sich.Er wurde in der Mitte geführt und ins Auto
gesetzt. Am nächsten Tag wurde mir bei einem Treff der weitere Verlauf mit
dem Schuster geschildert. Man führte ihn in die Vernehmervilla, Wielandstraße,
in Chemnitz. Dort wurde ihm seine Situation verdeutlicht ( ich habs schon mal
erwähnt), dass er aufgrund seiner Magenkrankheit in Verbindung mit einer
etwaigen langjährigen Haftstrafe keine glücklichen Lebensjahre zu erwarten
habe. Das kann er aber durch eine aktive Mitarbeit bei der Aufklärung seiner,
und der anderer Agenten, geleisteten Militärspionage , mithilft. Was er dann
ohne lange zu überlegen auch tat. Er wurde also wenige Tage später wieder
nach Hause entlassen. In der Nachbetrachtung seiner Eindrücke im Umgang mit
dem MfS und dessen was er erlebt hat, konnte mittels Technik der Eindruck
gewonnen werden, dass er durchaus gewillt war, das MfS zu unterstützen, auch
weil ihm bewußt war, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab. Er kam also
wieder nach Hause und für mich wurde klar, dass auch mein Einsatz bald zu
Ende sein mußte. Es galt wie angedeutet nur noch abzuwarten, ob der Schuster
andere Personen davon erzählte, was ihm passiert ist. Nachdem sein
diesbezügliches Verhalten über mehrere Wochen überwacht wurde, gab es eines
Tages im Herbst 1975 das Signal meines baldigen Einsatzendes. Zuvor mußte
natürlich noch die eingebaute Abhörtechnik entfernt werden, was aber keinerlei
Probleme bereitete und sogar in Anwesenheit aller Hausbewohner möglich war.
Nur bei der Wanze in der Werkstatt mußte ein geeigneter Zeitpunkt abgewartet
werden, denn dazu mußte der Putz im Hausflur entfernt werden um dann das
Kabel mit Mikro herauszuziehen. Aber es gab keinerlei Probleme. Um das
Ausräumen meiner Wohnung brauchte ich mir keine Gedanken machen, das
erledigte eine dafür bereitstehende Truppe, welche das Mobiliar irgendwo
deponierte. Das schlimmste für mich war, das ich blitzartig meinen Wohnort
verlassen mußte. Man wollte mir bewusst keine Möglichkeit geben, mich von
der Arbeitsbrigade, aber insbesondere auch nicht das ich mich von meiner
Freundin zu verabschieden konnte.. Ich reichte in meinem Betrieb nicht einmal
eine ordnungsgemäße Kündigung ein. Ich war sozusagen über Nacht
verschwunden . Das hätte man sicher besser Regeln können. Aber man sagte mir , es sei sehr dringend, es ist Eile geboten, warum, darüber rätsele ich bis
heute noch.Ich verließ also sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht
den Ort meines Einsatzes. Es tut komischerweise heute immer noch weh, wenn
ich an das abschiedslose Verlassen meiner Freundin denke.Aber Mitgefühl
dafür konnte ich natürlich von der Stasiseite nicht erwarten. Ich sah also meine
Eltern erstmals nach fast 3 Jahren wieder, die nur wußten, dass ich einen
Sondereinsatz des MfS durchführte. Sie glaubten mir das natürlich auch so,
aber richtig überzeugt waren sie, als ich von meinen Einsatzkonto einen
gebrauchten PKW Polski FIAT, ganz ohne Einfluss des MfS in Karl-Marx-
Stadt kaufte.Aus heutiger Sicht, war das richtig abartig, was ich dafür bezahlte.
Es waren fast 20 Tausend DDR Mark und das auch noch für eine Schrottkiste,
die zwar Verkehrs-und Betriebssicher war, aber für mich als Autoidiot nicht
sichtbare Durchrostungen hatte. Kenner der damaligen KfZ Szene können mit
dem Begriff der Hohlraumkonservierung was anfangen. Das war bei den
damaligen Fahrzeugen absolut notwendig, weil man sie bei den Wartezeiten auf
einen neuen PKW lange am Leben halten mußte. Das konnte man damals nur in
einer speziellen Werkstatt ausführen lassen. Dort wurden Löcher in die
Hohlräume gebohrt durch denen dann unter hohem Druck eine klebrige
teerähnliche Masse gepreßt wurde. Das wollte ich auch machen lassen. Man
sagte mir aber dort, das sei bei einem 4 Jahre alten Auto nicht mehr notwendig,
das der Rost schon längst seine Arbeit begonnen hat und sich im Inneren nicht
mehr aufhalten läßt. Was auch genau so kam. Die Durchrostungen waren so
brutal, das bereits nach zwei Jahren die Radkästen, die Einstiegsleisten und
große Teile der Bodenplatte durch gerostet waren. Wenn ich durch Pfützen fuhr,
stand das Wasser im Innenraum.Dieses Schicksal ereilte alle östlichen
Fabrikate, so schnell, das man fast zusehen konnte. Ich erinnere mich noch, das
man bei großen Durchrostungen Polyesterharz mit Glasfaser, Härter usw.
einsetzte und damit alle größeren Flächen überklebte. Das wurde dann
knochenhart, war aber verboten.. Für die damalige DDR Zeit war ein Polski
Fiat fast ein Luxusauto. Ich fuhr ihn ca. 4 Jahre. Und bevor er ganz
zusammenbrach fuhr ich ihm zu seiner letzten fahrt für mich nach Karl-Marx-
Stadt, wo ich ihn gekauft hatte. Im KFZ- Brief war ein Stempel drin, mit dem
ersichtlich wurde, das dieses Fahrzeug nur wieder dort gültig verkauft werden
darf, wo er erworben worden ist. Also keine Chance diesen Schrotthaufen zu
verhöckern. Ich reihte mich in die Warteschlange ein und es kam natürlich zu Gesprächen mit anderer Kundschaft. Man fragte mich also was ich anzubieten
hätte und ich verwies auf meinen Polski. Einer sah sich dann meinen PKW an
und bot mir sofort 4.000 Mark der DDR . Ich sagte ja und dann mußte dieser
Verkauf noch von dieser Verkaufseinrichting abgestempelt werden.Und auch
der neue Besitzer dieses Polski konnte also dieses Luxusauto nur dort wieder
verkaufen.Wir hatten bei beginn meiner Tätigkeit in der Abteilung VIII der BV
Karl-Marx-Stadt 1970 einen Polski Fiat. Das war damals in der o.g.
Bezirksstadt echt der Luxus. Fast genauso gut wie der Ford Taunus, den wir
ebenfalls im Fuhrpark für besondere Einsätze hatten.Will sagen, man konnte
auch mit diesem Polski angeben. Und so einen hatte ich. Viel Glück brachte er
mir nicht (aber das ist eine andere Geschichte.
Nun noch eine kurze Einschätzung dieses Einsatzes:
Beim Ansehen einer Fernsehdokumentation über Kriegsereignisse oder andere, weit zurückliegende Geschehnisse berichten mitunter Menschen vom Schicksal des eigenen Lebens oder auch von dem ihrer Mitmenschen. Was sie erlebt haben, welchen Schmerz und welches Leid sie am eigenen Körper und Seele erduldet haben. Wie sie andere Menschen haben leiden sehen und vieles andre mehr. Auch die Historiker untersuchen anhand dieser Aussagen bestimmte geschichtliche Epochen. Sie verwenden das vorliegende Material, also Filmaufnahmen . Schriftliche Aufzeichnungen, oder weit zurückliegende Dokumentationen oder Bücher wie die Bibel, Homers Aufzeichnungen,Gilgameschepos und vieles, vieles mehr.. Zur Bewertung vergangener Ereignisse haben die heutigen Historiker natürlich keine andere Möglichkeit, also solche Beschreibungen für ihre eigenen Darstellungen zu verwenden. Manchmal werden auch Tonscherben, uralte Knochen (Schädel), Fossilien, uralte Schriftzeichen genutzt um sich ein Bild von vergangenen Zeiten zu machen.Man ist also abhängig, das das verwendete Material authentisch ist,. Ich will sagen, möchte man den heutigen Historikern glauben, muß man darauf vertrauen, dass sie das vorhandene Material richtig deuten und auswerten. Das ist das aller-allerwichtigste. Und da habe ich meine allerallergrößten Zweifel, das diese Leute das können oder wollen.Denn wenn schon heute Geschichte falsch geschrieben wird, was sollen denn unsere Nachkommen erst damit anfangen oder glauben. Ich bin mir ganz sicher, wenn es die Gelegenheit gäbe den Schuster, seine Ehefrau oder die Töchter zu befragen würde sich eine ganz andere Wahrheit ergeben. Keiner würde sich auch nur im Geringsten die Frage stellen,ist das denn die Wahrheit , was der Schuster sagt?. Genauso wie der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt ( Volksheld). Was war er denn wirklich für ein Mensch. Genauso die vielen millionenschweren Bücher der deutschen Wirtschaftsweisen . Ist das denn nicht lächerlich, was diese sogenannten Experten dem Deutschen Volk für Blödsinn erzählt haben. Oder auch die sogenannten Gutachter, die z.B bösartige Sexualstraftäter begutachten und wie diese dann wieder mit Hilfe dieser Experten aufs Volk losgelassen werden. Beim Studium an der Hochschule des MfS wurde uns neben viel sinnloser Revolutionstheorie aber auch beigebracht, wie man zu verwertbaren und jede Prüfung standhaltenden Tatsachen kommen kann und muss. Auch wenn das heute viele aus anderer Sicht betrachten (mitunter auch berechtigt). Ich habe im Hintergrund an zwei oder drei Vernehmungen teilgenommen (Passiv). Aber ich wurde Zeuge wie sich die Vernehmer während einer Abstimmungspause für das weitere Vorgehen z. B. bei der Befragung von zwei Personen, zu den Bestimmungen des STGB (Strafgesetzbuch) der DDR sowie STPO (Strafprozessordnung) abstimmten um, wie sie sagten , dem Staatsanwalt unwiderlegbare Tatsachen und Beweise vorzulegen. Diese Tatsachen mußten dann natürlich einer Überprüfung einer ersten richterlichen Verfügung standhalten. Ich will damit sagen, dass es auch uns als Untersuchungsorgan absolut untersagt wurde, Personen länger als 24 Stunden gegen deren Willen festzuhalten. Das ist absolut anders anders als es die heutige Praxis ist. Ich weiß von was ich spreche. Eines Tages klingelte es an meiner Wohnungstür. Als ich öffnete standen zwei männliche und eine weibliche Polizistin im Treppenhaus , zwei hielten ihre Hände an der Pistole, um jederzeit zu schießen, wie man heute aus vielen Beispielen kennt. Also bei einer verdächtigen Bewegung von mir hätten die mich bestimmt umgelegt und das , naaa, wegen dem lächerlichen Bestreben, eine von mir nicht bezahlte Rate eines Bußgeldes, dass ich damals nicht zahlen konnte, einzuziehen. Sie teilten mir mit, dass sie mich für den Fall der nicht sofortigen Bezahlung der Restsumme ( ich glaube noch offene 400 DM) mit dem Polizei- PKW nach Chemnitz in die dortige Haftanstalt bringen müssten. Nach der Frage, ob ich zahlen könne und wollte , setzten mich diese drei Polizisten in ihren PKW und fuhren mich die 50 Meter bis zur Sparkasse an meiner Straße. Sie gingen alle mit mir ins Innere der Sparkasse bis zum Geldautomaten, links und rechts von mir. Ich frug sie, ob ich mein Passwort auf meine Stirn schreiben sollte. Ich hatte glücklicherweise kurz vorher mein Arbeitslosengeld erhalten, so dass ich den geforderten Betrag abheben konnte. Für die verbleibenden 25 Tage des Monats blieb dadurch natürlich so gut wie nichts mehr. Und richtig Öffentlichkeitswirksam wie es sich gehörte setzten sie mich dann wieder wie einen Schwerverbrecher in den PKW um mich bis zur Polizeiwache zu fahren , wo ein Protokoll angefertigt wurde. Eine solche erniedrigende Vorgehensweise wegen eines solch abartig kindischen Tatbestandes wäre zu DDR Zeiten undenkbar gewesen. Nie und nimmer hätten wir einen Bürger wegen eines solchen Sachverhaltes so diskriminierend behandeln dürfen. Gut, die DDR Zellen waren wegen vieler dämlicher politischer Sachverhalte und totaler verblödeter Fehleinschätzungen von Partei und Regierung gefüllt und die Gefangenen hatten auch vieles erdulden müssen. Aber darüber kann ich mir kein Urteil erlauben, weil, ich es selbst nicht erlebt oder gesehen habe.Einen Sachverhalt dazu habe ich geschildert, der mir vom Vater des straffällig gewordenen Sohnes selbst erzählt worden ist. Warum sollte ich ihm nicht glauben. Über Wanzentechnik, die während der Befragung eines bekannten Ärzteehepaares in deren Abwesenheit eingebaut wurde, bekamen wir natürlich deren Unterhaltung nach deren Rückkehr in ihrer Wohnung mit. Und das nachfolgende schreibe ich sehr bewußt auf, da das von diesen Personen selbst geäußert wurde. Sie wurden wegen ihrer sehr aktiv betriebenen Übersiedlungsabsicht nach WD zu einer Befragung nach Karl-Marx-Stadt abgeholt und dort ca. 12 Stunden befragt. Da ich wie oben beschrieben eine Nebenfunktion (Betreuung des nicht mehr kleinen Kindes während dieser Zeit) ausübte, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Pärchen , freundlich, höflich und anständig behandelt worden ist. Ihnen wurden Speisen und Getränke gereicht. Das gleich wie wir zu uns nahmen. Es sollte angestrebt werden, dass dieses Ärzteehepaar ihren Antrag zurücknimmt, da dieses Ehepaar in unserer Stadt sehr bekannt und sehr beliebt war. Als sie zusagten den Antrag zurückzunehmen, wurden sie wieder nach Hause gefahren, wo sie dann in der nachfolgenden mitgehörten Unterhaltung sich zunächst erst einmal sehr erschrocken darüber äußerten, das sich die Stasi um sie bemüht hat. Sie zeigten sich sehr erstaunt und sagten wörtlich „Woher diese Jungs das alles wissen, was uns betrifft“, und bestätigten damit,das sie gut behandelt worden sind, äußerten aber auch, dass sie ihren zurückgenommen Antrag erneut stellen wollten und nur ja gesagt hatten, damit sie nach Hause kommen können. Das war für unsere Leute bedauerlich, denn sie hatten schon einen Erfolg gefeiert. Übrigens übersiedelte dieses Ärzteehepaar ca. 6 Monate später nach WD und wir hatten zwei Klasse Ärzte weniger.
Oder ein anderes Beispiel: Eines Tages, ich glaube es war 1982 wurde ich zum
KD Chef befohlen. „Du suchst dir einen MA aus, fährst in das Dorf soundso
und sagst der Freundin eines wegen des Versuchs des illegalen Verlassens der
DDR im schweren Fall (Gewaltanwendung ) § 213 StGB festgenommenen
Täters, das sie wegen einer Befragung nach Karl-Marx-Stadt gefahren wird.
Aber vorsicht, wir wissen nicht wer noch in der Wohnung anzutreffen ist. Ich
nahm mir also einen Trabi, einen weiteren MA der KD und fuhren zum
Wohnort. Nach längerer Sucherrei ( Das Haus stand sehr abseits) betraten wir
das Grundstück eines heruntergekommenen kleinen Hauses. Die Haustür war
nicht verschlossen. Nach mehrmaligem Rufen gab es keine Antwort und ich
öffnete ein Doppeltür, rief wieder und keine Antwort, ich fand auch keinen
Lichtschalter, öffnete eine weitere Tür, rief wieder, keine Antwort. Durch die
Dunkelheit stolperten wir durch einen weiteren Raum. Nach einem erneuten
Rufen, antwortete eine weibliche Stimme ganz leise mit ja. Gleichzeit betätigte
sie einen Lichtschalter. Wir konnten in einer kleinen Nische ein hübsches
Gesicht einer Jugendlichen erkennen, die die Zudecke weit hochgezogen hatte.
Nach ihrer Namensbestätigung, leierte ich meinen Text runter und forderte sie
auf, sich anzukleiden usw.. Sie wollte, das wir den Raum verlassen, da sie nackt
sei. Hier kam mir die Tatsache entgegen, dass man bei der Mitnahme einer
Person, ganz gleich aus welchen Gründen ,immer vermeiden muß, die Person
allein zu lassen. Nur so kann man sicher sein, das nichts unerlaubtes getan wird.
Sie mußte sich also wohl oder übel unseren Blicken preisgeben, was mir
jedenfalls nicht schadete. Ich glaubte auch, dass ihr das nicht weh tat. Wir
fuhren sie dann also anschließend nach Karl-Marx-Stadt zur Vernehmung. In
der Vernehmervilla begegnete ich dann auch ihren Freund und wurde darüber
aufgeklärt, das er bei Versuch gefaßt wurde, die DDR nach Schweden in den
Nachtstunden mit einem Schlauchboot zu verlassen. Eigentlich müsste er den
Grenzposten für den Zugriff dankbar sein, denn aufgrund der zu dieser Zeit
wilden See, wäre dieser Versuch tödlich gewesen. Er war zwar ein im MfS
ausgebildeter Kampfschwimmer, aber das hätte auch er nicht überlebt.
Ich erzähle diese beiden Begebenheiten nur, um einmal zu überlegen, wie
unterschiedlich diese Geschehnisse von den Betroffenen und Beteiligten
bewertet werden könnten. Da sind einerseits die Erfahrungen der Ärzte. Ich
kannte diese ja sogar persönlich durch Wohnungsnachbarschaft, sehr beliebt,
fachlich mit die Besten, beide waren Kreisärzte, also im sozialistischen Sinne
„Perspektivkader“.Was habe diese Beiden wohl nach ihrer Übersiedlung in den
Westen bei ihrer Befragung durch westlichen Medien erzählt?.Etwa von der
korrekten Behandlung durch das MfS ( dessen Zeuge ich war)?. Was hätte
ihnen denn das genutzt? Nichts. Also dann doch sicher was ganz anderes, oder?.
Wir wissen es nicht. Und im Falle des Grenzverletzers nach dessen
Übersiedlung, die allerdings etwas länger dauerte. Etwa das sein Leben gerettet
wurde?. Oder von seiner korrekten Behandlung in der Untersuchungshaftanstalt. Niemals. Im Gegenteil. Aber wir wissen auch davon nichts.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich von einer Tatsache berichten, die das Ende
meiner Karriere bedeuteten, worüber ich natürlich heute nicht traurig bin. Was
mich sogar im Gegenteil in die Lage versetzt, völlig unvoreingenommen zu
berichten.Also, eines Tages im Jahre 1984 wurde ich zum KD Chef
befohlen( Wie ich zur KD gekommen bin, erzähle ich später). Das bedeutete
meistens nichts gutes. Er kam gleich zur Sache.Ob ich einen Verwandten mit
Namen soundso hätte. Was ich natürlich bestätigen musste, weil es stimmte.
Dieser Verwandte ist wegen des Verdachtes der Militärspionage verhaftet worden. Bei Ermittlungen in dieser Sache ist man logischerweise auch auf meine Person gestoßen. Es sei sehr knapp gewesen, auch mich in die mir gut bekannte Mühle des MfS zu nehmen. Natürlich war mir sofort klar, das dies bereits seit längerer Zeit (zumindest so lang dieser Vorgang lief) der Fall war. Ich erfuhr dann später auch Einzelheiten zum Vorgang der Spionage meines Cousins. Er war als Internationaler Kraftfahrer einer Spedition tätig. Bei deiner Fahrt nach WD wurde er dort vom amerikanischen Geheimdienst CIA angesprochen, ob er gegen Bezahlung in Dollar für kleiner Spionageaufträge bereit sei. Der CIA ermittelte, das mein Cousin in Grenznähe zur CSSR lebte und es dort mal kurzzeitig zur Stationierung von SS 20 Raketen gekommen sein soll. Das wollten die Amis genau wissen. Da ich meinen trotteligen Cousin kannte, war klar das der für wenige $ das auch getan hat. Stimmt, er erhielt für eine zweimalige Nachrichtenübermittlung ganze 400 $. Ok. Viel Geld für einen Ostdeutschen der damaligen Zeit. Aber im Verhältnis zum Risiko absoluter Schwachsinn, wie sich auch zeigte. Bei einer weiteren Grenzpassage zur BRD wurde er durchsucht und man fand bei ihm eine Minikamera mit Bildaufnahmen, verschiedener Militärobjekte. Echt bescheuert. Da Urteil lautete 7 Jahre Haft. Er wurde aber auch nach, ich glaube 3 Jahre, in die BRD entlassen.Ich habe diesen Cousin seit unserer Kindheit bis heute nie wieder gesehen.
Weil es jetzt gerade so gut passt, ein weiterer Fall von Militärspionage, den ich selbst mit erlebt habe. Er war allerdings von ganz anderer Art. Nach Ende meines Sondereinsatzes (dazu komme ich noch) wurde ich in einer Einheit der Abteilung VIII in Plauen eingesetzt. Plauen war gewählt worden, weil es dort nicht weit zur Grenze DDR/BRD war, ca. 50 km. Dann gab es dort eine große Einheit der Sowjetarmee (Panzer und Artillerie) Und um dieses Objekt ging es dann auch. Natürlich sicherten der KGP ihre Objekte auch selbst ab. Aber effektiver für sie war es, wenn es die Deutschen übernahmen. Und so wurde von der Plauener Gruppe die Objektsicherung nach Außen übernommen. An verschiedenen Schwerpunkten der Kaserne wurden Überwachungskameras angebracht, die dann durch uns ( ständig 4 MA ) rund um die Uhr mittel Monitore in einem Bauwagen außerhalb des Kaserne überwacht wurden. Sich auffällig verhaltene Personen wurden an ein PKW Team übergeben, die dann die Beobachtung bis zur Aufklärung, wer ist wer, übernahmen. Eines Tages stellten wir im Hochsommer eine Person fest, die vom Wald aus, hinter einen Baum stehend, mittels Fernglas, offensichtlich die Kaserne beobachtete. Diese Person wurde natürlich an unser Team übergeben, welches auch keine Probleme hatte,diese zu personifizieren. Diese Person konnten wir auch an mehreren Folgetagen wiederholt an gleicher Stelle fotografieren und filmen.Da wir ja auch in der Kaserne unsere Mahlzeiten einnahmen (übrigens im Offizierscasino, die sowjetischen Soldaten aßen tatsächlich aus Blechnäpfe)kamen wir dann auch näher an die beobachtende Person heran, konnten aber nicht feststellen, ob er fotografierte. Ging auch nicht, wie sich später zeigen sollte.Ab einem bestimmten Tag , wurde diese Person im gesamten Tagesablauf überwacht. Ziel war es, festzustellen, ob, und wenn ja, auf welchem Wege er Nachrichtendienstlich wichtige Informationen weitergab. Für einen eventuellen Briefkasteneinwurf , benutzen wir die Uralte Methode, des sofortigen hinterher werfens eines Blattes Papier, wonach sich sofort nach Leerung feststellen ließ, welcher Brief unter dem Blatt Papier lag, mußte der gesuchte Brief sein.Aber es geschah nichts. Wochenlang ging dieser Idiot zur Kaserne, stellte sich ca. zwei Stunden hinter einen Baum und ging dann anschließend nach Hause. Auch eine konspirative Wohnungsdurchsuchung ergab nichts. Da war es mit der Geduld der Chefs vorbei. Eines Tages wurde der Verdächtigte zur Befragung abgeholt und das ganze endete mit einem Lacher der Extraklasse. So kann Spionage auch aussehen. Bei der Befragung beteuerte der Mann inständig, er sei kein Spion. Er hatte nie die Absicht. Die Kaserne sei ihm Wurscht. Aber warum sei er denn wochenlang dort festgestellt worden. Das müßte ihm doch klar gewesen sein, bei einem militärischen Objekt kann man sich nicht so verdächtig verhalten. Dann klärte er die Vernehmer auf und alles brüllte vor Lachen.Was er sagte war absolut glaubhaft und auch irgendwie logisch, wenn auch im gewissen Sinne abartig.Wenn wir auch wissen, das viel, viel schlimmeres gibt und lieber so wie er als anders. Es spielte sich nach seinen Aussagen folgendes ab: Der Mann ging eines Tages zufällig an dieser Kaserne vorbei spazieren. Da bemerkte er eine, auf dem Balkon einer der neben der Kaserne stehenden Villen , die von sowjetische Offizieren bewohnt werden, Frau stehen. Es war Sommer und heiß. Da stellte er fest, wie sich diese Frau ihrer Kleider entledigte und sich also nackt auf dem Balkon legte. Durch die nur mit Brettern umgrenzte Balkonwand konnte er also nicht nur ihre Brüste sehen, sondern auch noch andere sehnlichst erhoffte Körperteile. Er besorgte sich für eine weitere erhoffte Striptease ein Fernglas um damit natürlich weitere Einzelheiten zu sehen. Er starrte demzufolge danach täglich auf dieses Gebäude, in der Hoffnung, es würde sich noch mehrmals wiederholen. Nach seiner Meinung geschah dies aber nur noch einmal und das nicht sehr lang. Aber für ihm sei das ausreichend gewesen. Danach gefragt, wie er das meinte, kam, was kommen mußte. Völlig verschämt ließ er wissen, das er sich hinter einem Baum zurückzog um zu onanieren. Wir sahen daraufhin unsere Aufzeichnungen genauer an und konnten feststellen, das er sich tatsächlich nach einer gewissen Zeit hinter einen Baum versteckte. Wir vermuteten zwar damals was anderes. Aber wer kommt denn auf so was.Warum sei er denn so oft dorthin gegangen wenn sich nichts mehr tut, aber das hat was mit Sucht zu tun. Er hat dann auch onaniert, wenn nichts zu sehen war, sagte er uns. Dieser „Spionagefall“ zeigt wieder einmal, wie genau man arbeiten muß um nicht total falsch zu liegen und wenn der Aufwand noch so hoch ist. Informationen aus dem Operationsgebiet ( So nannten sich Aufklärungsaktivitäten in der BRD) sagten aus, das es in der DDR ständig Aktivitäten von Militärspionage gibt.Das zeigte auch ein weiterer Fall. Es wurde durch Quellen aus der BRD bekannt, das eine uns bekannte Person einmal im Jahr nach Großenhain zu seinen dort lebenden Verwandten einreist. Er nimmt sich dort ein Fahrrad um mit diesen die Landstraßen bis nach Dresden (ca. 50 Km ) zu fahren. Auf dieser Strecke kommt er stets an mehreren sowjetischen Militärobjekten vorbei ( die meisten der damaligen DDR). In Dresden fährt er dann zu einer verwandten Familie, stellt das Fahrrad dort ab und reist mit den Zug in BRD zurück. Bei verschiedentlich durchgeführten Kontrollen bei Ein-und Ausreise der Person wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Bei Beobachtung seiner Bewegungsabläufe in der BRD konnte aber u. A. auch durch IM erarbeitet werden, dass er Kontakt zu MA des BND hat. Also stand die Frage, warum? Das passte schon zusammen mit seine merkwürdigen Radtouren. Bei einer Mitteilung von einer weiteren Einreise des Verdächtigen wurde eine Maßnamekombination ausgearbeitet ,wonach ein Beobachtungsteam natürlich auch mit Fahrrad und zwei weitere Teams mit PKW die Observierung aufnehmen sollte. Nach der Passage der letzten Militärobjekte sollte der Verdächtige leicht mit einem PKW angefahren werden, so dass er zu Sturze kommen sollte um ihn dann anschließend ins Krankenhaus nach Dresden zu fahren. Sinn war es , ihm länger als die gesetzmäßig erlaubten 24 Stunden im Lande zu behalten. Da man davon auszugehen hatte, dass wiederum keinerlei Aufzeichnungen bei ihm zu finden sind, sollte er durch eine längere Befragung aussage bereit gemacht werden. Der Zufall wollte es aber, das wir (die Beobachtung) feststellen konnten, wie der Mann doch an einer Stelle ein Stück Papier nahm und einiges notierte. Das müßte eigentlich ausreichen um ihn an der Grenze danach zu durchsuchen. Was dann auch geschah. Das Papier wurde festgestellt und es fanden sich darauf, wenn auch geringfügig, einige Bemerkungen zu einem Militärobjekt. Das reichte aus um ihm wegen des Verdachtes der Militärspionage zu verhaften. Armes Schwein. Es wurde in seinem Falle umfangreich ermittelt und er gestand dann auch alles. Ich glaube er erhielt eine 7 Jährige Haftstrafe, wurde aber kurze Zeit darauf gegen einen DDR Agenten ausgetauscht. Es hatte also alles wieder seine Ordnung.
Nach meinem Sondereinsatz wurde ich, wie bereits erwähnt nach Plauen
versetzt. Dort waren wir 11/ 12 Mitarbeiter, keiner älter als 35 Jahre. Wir alle unterhielten zwei als Druckguss Heidenau getarnte Büros mit allen
dazugehörigen Dokumenten ,wie Betriebsausweis, SVK Ausweis usw. Auch die
PKW wurden auf diesem Tarnbetrieb zugelasssen. Ebenso die Tankscheckhefte.
Ehrlich gesagt hatte ich mir nach meinem Sondereinsatz eine andere Aufgabe
erhofft. Ich wußte, das einige Mitarbeiter von uns zu Botschaftseinsätzen ins
sogenannte kapitalistische Ausland eingesetzt wurden. Auch in Afrika und
Übersee. Das hätte mich sehr interessiert. Aber wenn ich jetzt so darüber
nachdenke, habe ich mir das versaut, als ich während meines Sondereinsatzes
zu einem Gespräch beordert wurde, bei dem ein mir damals noch bekannter
wichtiger DDR Kundschafter teilnahm. Das sollte ich aber erst später erfahren.
Das Gespräch fand in einer für DDR Verhältnisse mondänen Villa statt. Hätte
ich vorher gewusst wer das ist hätte ich ein anderes Verhalten gezeigt. Aber das
wäre ja dann auch nicht der Sinn der ganzen Sache gewesen. Ich weiß nur noch,
das ich wie immer bei derartigen Gelegenheiten das reichlich vorhandene
Alkoholangebot ausgiebig nutzte. Eigentlich kam ich dann immer richtig in
Stimmung, wurde aber dabei leider auch zu redselig und das ist nicht immer
gut. Und in diesem Falle war es ganz schlecht, wie ich hinterher erfuhr. Es
hieß , ich sei zu risikobehaftet wenn es um hochkarätige Aufträge im Ausland
geht und bestimmt mit entsprechenden Frauen leicht zu beeinflussen. Und
ehrlich gesagt, damit lagen sie richtig, das war schon immer meine Angst
gewesen, wenn ich zu viel gesoffen hatte. Der Test verlief also negativ. Und
hier wieder die Frage: „Freier Wille“ ja oder nein?.
Ich erhielt zwar eine, und wie man sagte großartige ,und in Karl-Marx-Stadt bis
dahin einzige Auszeichnung , die Felix E. Dzierzynski Büste . Wie ich heute
weiß, tatsächlich selten.Aber der nächste Schritt war, das ich sofort die
Kreisparteischule besuchen sollte, das war für mich wie eine Beleidigung.
Denn man teilte mir mit, das sei notwendig, da mich der vergangene
Untergrundeinsatz bestimmt politisch-ideologisch versaut habe, und ich wieder
in die richtige Spur kommen sollte. Widerwillig mußte ich teilnehmen. Ich
hatte damals immer vollen Einsatz gezeigt, nur die politisch geforderten
Diskussionsbeiträge zu Mitgliederversammlungen der Partei z.B. fielen mir
immer sehr schwer. Ich hatte richtige starke Hemmungen etwas zu sagen. Ganz
schlimm war es dann demzufolge bei solchen Lehrgängen.Gut, das ging auch
vorüber. Aber ich ließ meine Wut immer mehr in meiner Freizeit aus und wurde
bald zu einem moralisch gefährdeten Objekt und dadurch zu einem Sicherheitsrisiko für das MfS, was natürlich dazu führte, das mit mir mehrere Aussprachen geführt wurden. Stets teilte man mir mit, das ich nur aus Rücksicht auf meine Verdienste noch keine Bestrafungen erhalten habe. Ich besuchte regelmäßig die Nachtbar in Plauen, fuhr dorthin angeberisch mit
meinen Polski, fuhr dann mit Mädels besoffen nach Hause, wurde dabei auch
einmal von der Polizei erwischt. Nach erfolgter Blutkontrolle im Krankenhaus
(2,3 Promille), in der DDR damals, Nullpromille Gesetz, erfolgte ein
Fahrerlaubnisentzug von zwei Jahren. Du hast Glück, das du von uns nicht auch
noch bestraft wirst , wieder wegen deiner Verdienste haben wir Rücksicht
genommen. Aber denke daran, dein Kredit ist bald verbraucht. An dieser Stelle
ist noch zu erwähnen, das ich nach Abschluß meines Sondereinsatzes sofort
eine 4wöchige Kaukasusreise und daran anschließend einen Urlaub im
Stasieferienheim in der Sächsischen Schweiz erhielt . Also, man tat schon was
für mich und hoffte dabei immer, das ich mal eine Frau kennenlernen würde,
die zu uns passt und damit auch meine Lebensweise ein Ende nehmen würde.
G.K
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