Die Zigarettenschachtel ist leer. Es zieht mich zum Fenster, weil keiner meiner Freunde telefonisch erreichbar ist und schaue hinaus auf den Laub bedeckten Gehweg. Die wenigen Menschen, die vorübergehen machen mich noch trübsinniger. Sie sind in sich gekehrt und laufen müde wie Marionetten ihren Weg. Manche laufen auch, als würden sie vor irgend etwas davon laufen oder wollen nichts verpassen im Leben.
Wo kommen sie her, wo gehen sie hin? Was denken sie? Fühlen sie noch? Mir wird übel und, wenn ich noch Tränen hätte, würden sie mir jetzt über das Gesicht rollen. Ich denke vermutlich wie diese Menschen gerade.
Das Jahr, es neigt sich dem Ende. Was hat es gebracht? Haben wir uns das erfüllt, wovon wir noch im verschneiten Frühjahr träumten? Bei allem was man fühlt, ist die Sehnsucht doch am stärksten. Die Hoffnung wird blaß doch die Sehnsucht verlernt man nicht so schnell, denn sie schmerzt ein wenig und deshalb spüren wir sie besonders.
Taumelnd hält unsere von Träumen und Sehnsüchten erfüllte Seele stand. Werde ich meinen lang ersehnten Seelengefährten treffen, vielleicht morgen, übermorgen oder noch in diesem Jahr. Was, wenn nicht? Muß ich mich dann erneut anstrengen, beeindrucken, meine beste Rolle spielen? Ist es nicht wichtiger, einem Menschen zu signalisieren, ich bin da für dich? Ich halte dich und wärme dich? Wieviel Facettenreichtum bleibt bei Schmerzen und Trauer. Trauer, die keiner sehen will, weil er sich so unendlich stark fühlt. Sich stark fühlen muß, um zu überleben.
Ist es nicht vielmehr wichtig und wesentlicher einander nahe zu sein, wenn es darauf ankommt. Einander aufzubauen, um wieder Freude empfinden zu können.
Nein, wir alle tragen unsere Panzer einem krebsähnlichem Tierchen gleich. Nichts soll hervor dringen von allem was uns wirklich bewegt. Würde es jeden Tag auf der ganzen Welt eine Naturkatastrophe geben, würden wir dann unsere Hüllen fallen lassen?
Ich denke ja und hoffe auf den Frühling.